musik_kritik Klassiker: Neutral Milk Hotel „In the aeroplane over the sea“

Ab nun werdet ihr in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen CD-/Film-/Buch-Rezessionen auf unserem Blog vorfinden. Den Start macht Neutral Milk Hotel’s „In the aeroplane over the sea“ als Teil der „Klassiker“-Reihe, in der mehr oder weniger bekannte CDs, die man zumindest einmal gehört haben sollte, vorgestellt werden.
Los geht’s 🙂

What a beautiful face I have found in this place…

Als im Februar 1998 das zweite Neutral Milk Hotel Album “In the aeroplane over the sea” auf Merge Records (unter anderem auch Heimat von Dinosaur jr., M.Ward, Lambchop und Arcade Fire) veröffentlicht wurde, ahnte noch niemand, welcher Kult einmal darum entstehen sollte. Im Gegensatz zum Rolling Stone, welcher es als „thin-blooded“ bezeichnete, erkannte man bei Pitchfork zwar die Qualität des Albums, vergaß es aber recht schnell wieder.

Bis 2003, als es plötzlich auf der „Top 100 albums of the 1990s“ Liste von Pitchfork an fünfter Stelle auftauchte. Es bildete sich in „Indiekreisen“ ein regelrechter Kult um das erst wenig beachtete Album, welcher schließlich zur Wiederveröffentlichung 2005 auf Domino Records (welche auch Pavement, Elliott Smith und Sebadoh veröffentlichten) führte.

Ein Siegeszug begann. Plötzlich wurde „In the aeroplane over the sea“ von allen namhaften Medien euphorisch besprochen, Pitchfork vergab im Vergleich zu den früheren 8,7 ganze 10 von 10 Punkte, der Rolling Stone wertete es von 3 auf 4 von 5 Sternen auf. Plötzlich sprach man von der längst inaktiven Band aus dem Elephant6-Kollektiv aus Georgia nur noch in höchsten Tönen. Was als High-School-Projekt von Sänger/Gitarristen Jeff Mangum begann, wurde als eine absolut neue Art Popmusik zu schreiben verehrt.

Keine Wunder. „Aeroplane“ sprengt alle Genregrenzen. Was folkig beginnt, kann in wenigen Minuten in bläserdominiertem Freejazz enden – oder einfach in den nächsten Song übergehen. Darüber singt Jeff Mangum mit voller Inbrunst Texte über die Vergänglichkeit der Jugend oder das Leben der Anne Frank.

So vereinen Neutral Milk Hotel Avantgardismus in der Musik mit lyrischem Tiefgang – und es scheint, als wäre es das leichteste auf der ganzen Welt. Ein großartiges Album.

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Ein Kommentar zu “musik_kritik Klassiker: Neutral Milk Hotel „In the aeroplane over the sea“

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