Fräulein Julie

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

„Die Ersten werden die Letzten sein“. Das ist das Motto des von Alexandra Liedtke inszenierten Stücks August Strindbergs, welches seit dem 01.02.2014 auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses aufgeführt wird. Bei Fräulein Julie handelt es sich um eines der zentralen Werke des Naturalismus. Es wird die Geschichte dreier Personen erzählt, die in ein Liebes- und Standeswirrwarr verstrickt sind. Gespielt wird auf einer quadratischen, durch LED-Lämpchen beleuchteten Bühne. Holzbänke sind die einzigen Requisiten, das ist auch gut so, mehr würde nur vom intensiven Spiel der SchauspielerInnen ablenken. Die zentrale Figur ist Fräulein Julie, dargestellt von Tabea Bettin, die es auf den Diener Jean, gespielt von Thomas Frank, abgesehen hat. Dieser ist zwar mit der Köchin Kristin, die von Pia Luise Händler gespielt wird, verlobt, lässt sich jedoch auf eine Liaison mit dem unfassbar naiven und ungehobelten Fräulein ein, da er sich nichts sehnlicher wünscht, als „den ersten Zweig“ zu erreichen, um auf der Standesleiter emporzuklettern. An dieser Stelle ist die wunderschön dargestellte Liebesszene zu erwähnen, die in Strindbergs Stück nur wage angedeutet wird. Während Jean und Julie sich gegenseitig in einer Ecke der Bühne entkleiden, fallen hunderte Rosenblüten auf sie herab. Durch warmes Licht und klassische Hintergrundmusik wirkt die Szene fast schon märchenhaft. Als starker Kontrast wirkt der Morgen danach. Beide wollen flüchten, um gesellschaftlicher Ächtung zu entgehen, Komplikationen stellen sich ihnen jedoch in den Weg. Gerade in der letzten halben Stunde kochen die Emotionen hoch. Es wird geschrien, geseufzt, gebettelt. Erst jetzt erkennt Julie die wahren Absichten Jeans und begreift, wie tief sie gesunken ist. Verlassen von allem und jedem bleibt ihr nur mehr die Flucht aus der Welt. Licht für Licht erlischt und ein intensiver, aufwühlender Theaterabend geht zu Ende.

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