Ein Volksfeind (H. Ibsen)

Die Ärztin Katrine Stockmann (Birgit Stöger) macht eine Entdeckung: Das Wasser im Kurbad ihrer Stadt ist verseucht und hochgradig gesundheitsschädlich. Erst wähnen sich sowohl Presse (Sebastian Reiß, Katharina Paul) als auch wichtige Vertreter des Bürgertums (Franz Solar) sowie „die große Mehrheit“ begeistert auf ihrer Seite, als ihr Bruder Peter Stockmann, der Bürgermeister der Stadt (Thomas Frank) allerdings klar macht, dass die anstehenden Umbauten mit enormen Kosten sowie mit der Schließung des Kurbades als auch negativer Publicity und somit dem voraussichtlichen Ruin der Stadt einhergehen würden, wenden sich auf einmal alle gegen Katrine. Bei einer Volksversammlung platzt ihr schließlich der Kragen und sie bezeichnet nicht nur das Wasser, sondern die gesamte Bevölkerung als „geistig vergiftet“ und von den Dummen beherrscht: „Könnt ihr die Wahrheit nicht ertragen?!?“ Sie wird zum Volksfeind erklärt und von einem wütenden Mob davongejagt, ihre gesamte Familie wird geächtet, sie verlieren sowohl Arbeit als auch Obdach. Am Ende steht Katrine vollkommen allein auf der Bühne, aber sie gibt nicht auf.

Bild (c) Lupi Spuma

Regisseurin Christine Eder macht aus Ibsens männlichem Volksfeind aus dem Jahr 1882 eine mutige Frau, die allen Anfeindungen und Drohungen, sogar allen Konsequenzen zum Trotz für ihre Sache einsteht, um sich selbst noch in die Augen sehen zu können. Sie kämpft für Meinungsfreiheit, Recht und v.a. für die Wahrheit. Beeindruckende schauspielerische Leistungen von Birgit Stöger, die als Katrine vor lauter Verachtung beinahe den Verstand verliert, Thomas Frank, der mit vollstem Körpereinsatz den eiskalt berechnenden Bürgermeister mimt oder Franz Solar, der als Druckereibesitzer Aslaksen erst für Katrine kämpfen und mit ihr gemeinsam eine Revolution auslösen will, dann aber schnell wieder klein bei gibt, da er um seine eigene Existenz bangen muss als auch alle übrigen DarstellerInnen bringen die Thematik, begleitet von zahlreichen Lachern genau auf den Punkt. Ebenso tun dies die eingespielten Videosequenzen sowie die überraschende Einbindung des Publikums, das sich plötzlich selbst als „große Mehrheit“ im Stück wiederfindet.

Bild (c) Lupi Spuma

Christine Eder rollt mit viel Witz und Charme eine damals wie heute aktuelle und wichtige Thematik auf. Bei Ein Volksfeind handelt es sich um ein sehr empfehlenswertes Stück für alle, die sich schon einmal die Frage gestellt haben (oder es noch vorhaben): Wie weit würde ich gehen, um für die Wahrheit einzustehen? Wie viel würde ich bereit sein, dafür zu opfern? Diese Fragen bleiben aber nicht undiskutiert, Katrine ist zwar die Heldin des Stückes, aber keine unumstrittene – mit ihren Handlungen ruiniert sie schließlich nicht nur ihre eigene Existenz, sondern auch die ihrer gesamten Familie.

 

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