„Niemandsland“ – eine wahre Geschichte

Es ist lange her, dass Asra (Birgit Stöger) mit ihrer Tochter Leyla (Seyneb Saleh) vor dem Bosnien-Krieg nach Österreich geflohen ist, heute verdient sie ihr Geld als Kammerjägerin. Leyla ist eine politisch engagierte Studentin, die nach Palästina geht – gegen den Willen ihrer Mutter, denn in Palästina herrscht Krieg – ein Tabu-Thema für Asra. Dort angekommen begegnet Leyla Osama (Osama Zatar), einem jungen Palästinenser, dessen Frau Jasmin (Jasmin Avissar), eine Israeli, die bereits nach Österreich emigrieren konnte, nun um das Asyl ihres Mannes kämpft, denn in ihrer Heimat haben die beiden keine Chance – ihre Beziehung wird nicht akzeptiert. Der Kriegsreporter Fabian (Jan Thümer) steht kurz vor dem körperlichen und geistigen Zusammenbruch und ein Anwalt (Julius Feldmeier) mutiert zum Star, indem er sich scheinbar für Flüchtlinge einsetzt, in erster Linie aber an der Wirkung seiner Schneidezähne im Fernsehen interessiert ist. Leylas Universitätsprofessor (Knut Berger), der sich während deren Abwesenheit um Asra kümmert, wird durch ihre aufkommenden traumatischen Erlebnisse aus dem Hörsaal gerissen und mit dem tatsächlichen Leben konfrontiert und schließlich ein junger Deutsch-Serbe (Sebastian Klein), der sich mit der erschreckenden Kriegsvergangenheit seines Vaters auseinandersetzen muss.

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(c) Lupi Spuma

Text und Konzept zu Niemandsland stammen von Maryam Zaree, die selbst mit ihrer Mutter fliehen musste sowie der in Jerusalem gebürtigen Regisseurin des Stückes Yael Rondo. Bereits mit Hakoah Wien konnte diese überzeugen, mit Niemandsland ist ihr ein weiteres Meisterwerk gelungen. Besonders rührend ist dabei die Tatsache, dass der dargestellte Kampf der beiden Liebenden um ein gemeinsames Leben nicht auf dem Papier entstanden ist, sondern aus dem wahren Leben stammt. Jasmin  Avissar und Osama Zatar spielen sich selbst – es ist ihre Geschichte, die erzählt wird.

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(c) Lupi Spuma

Nicht nur durch unglaubliche schauspielerische Leistungen (allen voran: Birgit Stöger), auch durch beeindruckenden Körpereinsatz in dramatischen Tanzsequenzen und einem Bühnenbild, das sich allen Situationen anpasst, wird das Publikum in den Bann gezogen. Gänsehaut und feuchte Augen sind das Ergebnis mehrerer sich immer weiter ineinander verstrickender Einzelschicksale, die nicht nur schockierend und bewegend, sondern auch mit viel schwarzem Humor und unglaublichem Zynismus dargestellt werden. Kriegerische Realität sowie Klischees werden unbeschönigt abgebildet; das Publikum muss sich nicht nur mit Opfern, sondern auch mit Tätern und Kriegsprofiteuren auseinandersetzen.

Niemandsland ist ein beeindruckendes Stück, das unter die Haut geht – eine Empfehlung für alle, die nicht nur einen vergnüglichen Theaterabend verbringen wollen, sondern auch bereit sind, sich mit ungemütlichen Wahrheiten zu beschäftigen.

Weitere Informationen und Termine:

http://www.schauspielhaus-graz.com/schauspielhaus/stuecke/stuecke_genau.php?id=17812

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