„Sei nicht du selbst“ – ein Spiel im Spiel

Zum ersten Mal seit langem (und ich habe in letzter Zeit viele Aufführungen besucht) ging ich wirklich komplett planlos aus der Vorstellung. Verwirrung und Verstörung. Keine Geschichte, keine Figuren, wenig Atmosphäre – aber immer wieder der Hinweis darauf, dass alles nur gespielt wird.

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr Verständnis entwickle ich mittlerweile dafür. Dennoch bin ich noch weit davon entfernt, diese abstruse Geschichte zu verstehen.

Ich war nicht alleine mit meiner Auffassung – meine Begleitung und auch das restliche Publikum waren nach der Vorstellung ziemlich ruhig. Man konnte regelrecht hören, wie es in den Köpfen ratterte.

seinichtduselbst

(c) Lupi Spuma

Warum aber? Weil genau das das Thema war! „Sei nicht du selbst“ als Motto der fünf SchauspielerInnen, die sich selbst verkörpern, Persönliches monologisieren, sich den ZuseherInnen in einem zweiten Akt zusammengepfercht das „Wohn-Experiment“ wagen und schleichend aber schlussendlich Kleidung und Rolle tauschen. So weit so gut.

Doch wozu? Das auf dem Klassiker der Motivationsliteratur How to Win Friends and Influence People aufgebaute Stück baut auf den größten Trieb des Menschen, der, nach dem amerikanischen Philosophen John Dewey, darin besteht, bedeutend zu sein. Kommunikation und Gemeinschaft könne nur dann gelingen, wenn diesem Bedürfnis Rechnung getragen werde. Intendiert war von Regisseur Boris Niktin, das Lebensmotto der vergangenen Jahre „Sei du selbst“ zu parodieren und durch gezielt eingesetzte Moderationselemente den/die Zuseher/in immer wieder aus dem Stück herauszuzerren.

Am Ende ist nicht klar, wer wer ist und was was zu bedeuten hat.

Gezielt gestiftete Verwirrung, die zum Nachdenken über das „man selbst sein“ anregen soll.

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