„Die Liebe einer Königin“ – eine Liaison Dangereuse

Die Liebe einer Königin, uraufgeführt am 8. März diesen Jahres, heißt das von Darrel Toulon inszenierte zweiaktige Tanzstück, das zurzeit am Grazer Opernhaus gezeigt wird. Da der Ballettdirektor seine Stelle nach dem Ende der Spielzeit 2014/15 verlassen wird, ist es eines der letzten Stücke, das er für die Tanzkompanie der Oper inszenierte und choreographierte. Unter der musikalischen Leitung von José Miguel Esandi erlebt man als Besucher der Liebe einer Königin ausgewählte Werke Rachmaninows, die die Geschehnisse auf der Bühne passend begleiten. So spielt das Grazer Philharmonische Orchester unter anderem die Vocalise für Violoncello und Klavier op. 34/14 oder Der Fels op.7. Für die einzelnen Tänzerinnen und Tänzer kreierte Toulon eine Choreographie zwischen modernen und klassischen Tanzbewegungen, die die einzelnen Rollen in ihren Charakterzügen stimmig unterstreichen.

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(c) Werner Kmetitsch

 

Dargestellt wird die Geschichte der junge Caroline Mathilde von Hannover (wunderbar getanzt von Martina De Dominicis), die den verrückten dänischen König Christian VII. (auch wenn es die Rolle verlangt, etwas übertrieben Albert Garcia) heiraten muss, sich jedoch in dessen Leibarzt Johann Friedrich Struensee (Michál Zábavik) verliebt. Dass diese Dreiecksbeziehung im Chaos und mit Struensees Erschießung enden muss, ist von Beginn an klar. Die mittlerweile durch den Leibarzt zur Mutter gewordene Caroline endet im Exil.

Sowohl musikalisch als auch tänzerisch werden die Liebe, die Leidenschaft und Intrige, die in dem historischen Stoff stecken, ausdrucksstark umgesetzt und miteinander verbunden. Einzig die zum Teil etwas zu ausladend ausgefallenen Kleider mancher Tänzerinnen stören den Blick auf das tänzerische Können und mindern den sonst so kräftigen Ausdruck. Ansonsten sind die von Elke Steffen-Kühnl erdachten Kostüme sehr passend für die Produktion und ergeben mit dem eher simplen jedoch äußerst vielseitigen und kreativen Bühnenbild (Jürgen Kirner) ein wunderbares Gesamtbild ab. Das Farbenspiel auf der Bühne, das zuerst von Schwarz und Blau dominiert wird, wird im Verlauf des Stückes wunderbar mit Orange ergänzt. Sehr einprägsam ist auch die Szene, in der Struensee Caroline ihres roten Kleides entledigt. Grüne Bücher und gelbe Kleider komplettieren eine ebenmäßige Optik. Die zusammengesetzten Lichtwürfel im Zentrum der Bühne kommen durch Einsatz der Drehbühne geschickt und mannigfaltig zum Einsatz. Wie in Jenůfa findet auch in dieser Inszenierung eine musikalische Darbietung direkt auf der Bühne statt. Wunderbar stimmig tönen Cello (Gergely Mohl) und Klavier (Dimitry Manelis) mitten aus dem Geschehen. An eine weitere Inszenierung erinnern die mehrfach eingesetzten miniformatigen Lohengrin-Bäumchen im zweiten Akt des Stückes, das nicht ganz ohne Gesangseinlage auskommt: Nazanin Ezazi verleiht dem Tanzstück mit ihrem hellen Sopran eine weitere Ebene. Unter viel Applaus und zahlreichen Bravo-Rufen wird ein verzaubertes Publikum entlassen.

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(c) Werner Kmetitsch

 

Wer sich das Stück nicht entgehen lassen möchte, hat dazu am Mittwoch, dem 9. April noch eine letzte Chance. Außerdem stehen in der aktuellen Saison noch die 5. INTERNATIONALE TANZGALA, CHAT ROOMS, und einige TANZNITES auf dem Programm.

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