Dr. Jekyll and Mr. Hide

(c) Lupi Spuma

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Die Novelle um Professor Jekyll und seine rücksichtslose Hälfte Mr. Hide ist wohl das bekannteste Werk Robert Louis Stevensons. In Stevensons Welt vollzog sich gerade ein kultureller Wandel. Die Naturwissenschaften waren auf dem Vormarsch, vieles war möglich, nicht alles war ethisch korrekt. So lässt er Dr. Jekyll an seiner Persönlichkeit experimentieren, was bis zu deren Spaltung führt. Und gerade weil dieses Thema der Ethik heute genauso aktuell ist wie im 19. Jahrhundert, wird es zurzeit auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses aufgeführt.

Der Abend beginnt mit einem wissenschaftlichen Vortrag Dr. Jekylls. Die Bühne ist hell ausgeleuchtet. Jekyll spricht direkt zum Publikum. Darauf folgt ein Streit mit seiner Verlobten Beatrix, da Jekyll ausschließlich für seine Experimente lebt. Die erste Viertelstunde ist etwas zäh, das ändert sich jedoch schlagartig als Mr. Hide erstmals auftaucht. Er brüllt, ist ausschweifend, macht was er will. Auch das Publikum wird angebrüllt und beschimpft (Hier erinnert er mich an meinen ehemaligen Chemielehrer. Liebe Grüße an dieser Stelle!). Zunächst fühlt sich das Leben als Hide richtig an. Zum ersten Mal im Leben kann er verdrängten Fantasien nachgehen und auf die Meinung anderer pfeifen. Er beginnt eine Affäre mit Beatrix‘ Freundin Ivy und flößt Jekylls Freund John die Mixtur ein, sodass dieser sich auch verwandelt. Je später allerdings der Schauspielabend wird, desto häufiger kommt es zu Rangeleien zwischen den beiden Persönlichkeiten. Jekyll erkennt, dass Hide nicht zu kontrollieren ist, er kann aber nicht mehr ohne Hide leben und Hide nicht ohne ihn. Das Szenario endet schlussendlich mit der völligen Auflösung des Ichs.

Der Regisseur Philip Jenkins nimmt sich für die Inszenierung einige Freiheiten. Viel bleibt von der Originalhandlung nicht übrig. Er verwandelt die Alptraumnovelle in eine Tragikomödie, was dem Stück allerdings gut tut. Da es mit sehr viel Witz daherkommt und sich nicht all zu ernst nimmt, ist es nach anfänglichen Schwierigkeiten kein bisschen langweilig. Auch die SchauspielerInnen sind hier zu erwähnen, die sehr interaktiv mit dem Publikum arbeiten und es verstehen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, was sich als durchaus schwierig erweisen kann, wenn das Publikum größtenteils aus SchülerInnen besteht.
Unbedingt ansehen!

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