Cabaret – Musikalisches im Schauspielhaus

Mit Cabaret bringt das Schauspielhaus diese Saison ein Musical auf die Bühne und zeigt damit, dass die Darsteller nicht nur schauspielerisch, sondern auch mit Tanz und Gesang einiges zu bieten haben.

„Willkommen, Bienvenue, Welcome!“ begrüßt der Conférencier das Publikum im Cabaret. Berlin um 1930. Der junge amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw lernt die Showtänzerin Sally Bowls in Berlins heißem „Tik Tak Klub“ kennen. Im Rausch aus schönen Frauen, Alkohol und Unterhaltung merkt man noch nichts von der bedrohlich wachsenden Macht der Nationalsozialisten – vorerst zumindest.

1

(c) Lupi Spuma

 

Das lustige wie ernsthafte Stück wurde durch den Kultfilm mit Liza Minelli zum Welterfolg und fand etwas adaptiert seinen Weg nach Graz. So ist etwa das kleine aber exzellente live-Orchester immer in das Bühnengeschehen miteingebunden und wird durch die Effekte der Bühnentechnik in wichtigen Passagen buchstäblich „hervorgehoben“. Das fast durchwegs junge Schauspielerensemble beeindruckt vor allem durch akrobatische Einlagen und schnelle Kostümwechsel. Besonders Christoph Rothenbuchner ist als lasziver Showmaster sehr überzeugend und wartet mit allerlei Verrenkungskunststücken auf. Gesanglich können die Charakterstimmen so manchen schiefen Ton durch Originalität ausgleichen. Pia Luise Händler gibt als Sally alles, wobei ihr übertriebenes Gehabe zu ihrer wankelmütigen Rolle passt. Auch Julius Feldmeier ist als armer Schriftsteller, der seinen Platz in der Welt sucht, gut besetzt.

2

(c) Lupi Spuma

Besonders nahegehend ist die Nebengeschichte von Herrn Schulz (Franz Solar) und Fräulein Schneider (Steffi Krautz). Die „olle Schrulle und der alte Witwer mit Sodbrennen und Gemüse“ verloben sich, müssen sich wegen Herrn Schulzes jüdischer Herkunft aber trennen. Vom süßen Verliebtsein bis zum bitteren Abschied fühlt der Zuschauer durch die grandiose darstellerische Leistung mit den Charakteren mit.

Wer beim Titel Cabaret eine lustige Pointe erwartet, wartet vergebens. Die Geschichte hat kein Happy End, eher zeigt sie, wie schnell sich das Blatt wenden kann und man alleine dasteht. Das „Welcome“ des Schlussliedes hat nichts Einladendes mehr, viel mehr erkennt man, wie langsam die schillernde Fassade zu bröckeln beginnt.

Cabaret wird noch zwei Mal, am 16. Mai und am 18. Juni, aufgeführt.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s