Lohengrin

Das erste Mal seit ihrer Eröffnung 1899 bringt die Grazer Oper Richard Wagners Lohengrin wieder auf die Bühne.

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(c) Werner Kmetitsch

Ganz ruhig ist das Anfangsbild, als sich langsam der Vorhang der Bühne hebt. Ganz ruhig sind auch die Gestalten, die mit verbundenen Augen reglos den süßen mystischen Klängen der Ouvertüre lauschen. Nur eine bewegt sich, eine Wagner-Frau wie sie im Buche steht, und beäugt misstrauisch das Geschehen. Man erkennt: viel ist nicht notwendig für den starken Eindruck, und dieser rote Faden zieht sich durch die gesamte Aufführung. Die Inszenierung spielt vor allem mit der Eindringlichkeit von Gegensätzen. Der starke Kontrast zwischen schwarz und weiß, hell und dunkel unterstreicht den stetigen Wandel in der Geschichte: Verzweiflung, Hoffnung, Wut, Glückseligkeit.

Die Herzogstochter Elsa von Brabant kehrt nach einem Waldspaziergang mit ihrem Bruder, dem Thronerben, ohne diesen zurück. Ihr Gegenspieler Graf Telramund und seine Frau Ortrud bezichtigen sie des Brudermords, um die Krone an sich zu reißen. König Heinrich soll über das Schicksal der Unglückseligen entscheiden. Als er die junge Frau anruft, sich zu verteidigen, ruft diese stattdessen nach einem Ritter, der ihr beistehen und sie freisprechen möge. Nach dem dritten Ruf erscheint der weiße Ritter auf einem Schwan und bringt Licht in das Dunkel des Geschehens. Als der Schwan auf die Bühne hinabschwebt, wird auch das Publikum mit einem Regen aus feinen weißen Federn bedacht. So schwerelos wie das Kleid des Schwans schweben auch die Töne von Lohengrins erster Arie durch die Luft. Johannes Chum, der den weißen Ritter verkörpert, bringt mit seinem lyrischen Tenor die sanfte Seite des Helden zum Vorschein. Er überzeugt mit warmer Stimmfarbe und feinfühliger Interpretation und zeigt, dass das „gewisse Etwas“ nichts mit großem Volumen und extremen Höhen zu tun haben muss. Als er seine zukünftige Braut Elsa in die Arme schließt, ist ihr durch die Musik vermitteltes gemeinsames Glück fast greifbar. Doch wie es in den großen Liebesgeschichten der Oper leider oft passiert, währt diese Idylle nicht lange und findet ein tragisches Ende… Dramatische Musik komponiert sich wohl doch einfacher.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Die Klänge Richard Wagners schaffen es, von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln. Sei es die zart liebliche Ouvertüre oder Lohengrins Gralserzählung, die es fertig bringt, alle Emotionen des zwiegespaltenen Helden zu vermitteln – spätestens wenn der Klang der Fanfaren von allen Seiten den Saal erfüllt, kann man nicht anders als begeistert zu sein. Das exzellente Orchester unter der Leitung von Dirk Kaftan vermittelt alle Nuancen dieser vielschichtigen Musik und gibt auch den Sängern die Möglichkeit ihre Stimmen zu entfalten. Besonders überzeugend neben Johannes Chum ist hier Michaela Martens, die in ihrer Rolle als machtgierige Ortrud ein unglaubliches Volumen entwickelt.

Als besonderen Partner hat die Produktion Christian Lacroix für sich gewonnen, der die Kostüme für das Stück entworfen hat. Er differenziert klar zwischen Gut und Böse, lässt die einen weiche Schnitte in glänzendem Weiß tragen, während die dunkle Seite durch Schwarz und Grün dominiert wird. Harmonisch passen diese zum im Ton gehaltenen Bühnenbild und unterstreichen die Wirkung der Musik ohne diese zu überdecken.

Diese ganz besondere Produktion der Grazer Oper ist unbedingt sehens-, hörens- und staunenswert, allein schon damit man weiß, wo die Redewendung „Du lieber Schwan!“ herrührt!

Lohengrin wird noch zwei mal im Mai aufgeführt. Nähere Informationen und ein Vorgeschmack auf die Oper unter:

Nähere Informationen zum Stück auf den Seiten der Oper Graz.

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