„Der Rosenkavalier“ – ein zeitloser Klassiker

Die Wiener Staatsoper ehrt den Jahreskomponisten Richard Strauss mit vier Aufführungen seiner großen Oper Der Rosenkavalier.

Wenn Franz Welser-Möst das Dirigentenpult betritt, wird nicht lange gezögert: Taktstock in die Hand und los geht es! Sofort erfüllt der feine Klang der Wiener Philharmoniker die Staatsoper. Wie aus einem Guss könnte man sagen, denn bei diesem doch ganz besonderen Orchester klingt jeder Ton wie eine harmonische Einheit.

(c) Wiener Staatsoper GmbH

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Der rote Vorhang öffnet sich, man erblickt ein edles Frauengemach. Im Zentrum ein großes Himmelbett, darin: die Feldmarschallin mit ihrem jungen Geliebten Graf Octavian. Das Spiel der Verliebten wird durch die Ankunft von Baron Ochs unterbrochen, der seiner Schwägerin von seiner Verlobung mit der reichen Tochter Sophie von Faninal berichten will. Er bittet sie um einen geeigneten Kavalier, der seiner Zukünftigen die von der Tradition verlangte silberne Rose bringen möge. Die Marschallin lässt ihre Kammerzofe Mariandl (in Wirklichkeit der verkleidete Octavian), auf die der lüsterne Baron bereits ein Auge geworfen hat, nach dem jungen Grafen schicken. Die Gespräche über die Liebe stimmen die nicht mehr ganz junge Frau nachdenklich. Sie weiß, dass sie Octavian bald an eine Jüngere verlieren wird. Ihre Befürchtungen erfüllen sich schneller als erwartet: als Octavian der schönen Sophie die Rose überreicht, liegt der Zauber einer sich anbahnenden Liebe bereits in der Luft. Von diesem Schlamassel der Herzenswünsche bis zum vermeintlichen „Happy End“ hält die Geschichte noch einige Wendungen bereit, die man wohl am besten selbst als Zuschauer der Oper erfährt.

Die Aufführung ist mit ihren Solisten ausnahmslos gut besetzt. Stephanie Houtzeel ist in ihrer Rolle als Octavian grandios. Neben ihrem Gesang überzeugt sie auch mit ihren Schauspielkünsten, wo sie etwa großartig als Frau einen Mann verkörpert, der sich wiederum als Frau verkleidet. Auch Chen Reiss als Sophie glänzte an diesem Abend: sie meisterte selbst die unglaublichen Höhen der Partitur mit ihrem zart leichtfüßigen Sopran. Die Marschallin, gesungen von Anne Schwanewilms, ist in ihrer nachdenklichen Arie des ersten Aktes exzellent, sodass das Publikum wider der Konvention zu ihr und der unmöglichen Liebe zu Octavian hält. Einzig Wolfgang Bankl ist als Ochs schauspielerisch wie gesanglich etwas grob, vor allem im Vergleich zu seinen drei Bühnengefährtinnen.

(c) Wiener Staatsoper GmbH

Die Inszenierung ist sehr klassisch gehalten. So kommt es einerseits zu keinen Abweichungen vom Libretto, zum anderen wird aber auch ein bisschen der Ideenreichtum vermisst. Strauss’ Stil, eine Oper zu komponieren sieht nicht unbedingt „Gassenhauermelodien“ darin vor, er arbeitet gekonnt mit dem Wechselspiel der verschiedenen Stimmen. Dies tritt bei den Instrumenten ebenso wie bei einigen Gesangspassagen auf. Zusammen mit den wundervollen Textzeilen von Hofmannsthal weben etwa am Ende des dritten Aktes die drei Frauenstimmen einen so dichten Klangteppich, dass mit all der Schönheit in Worten und Tönen vor allem die Emotion vermittelt wird.

In Summe eine musikalisch kostbare Aufführung mit Klasse – ideal, um diese einzigartige Oper kennenzulernen!

Die Produktion wird im November 2014 wieder aufgenommen. Nähere Informationen findet man auf der Seite der Staatsoper:

http://www.wiener-staatsoper.at/

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