Die Rabtaldirndln – Schwarze Wolle

Gastproduktion auf der Probebühne im Schauspielhaus

Die Rabtaldirndln sollten nie mit langem A geschrieben werden, ist eine der Regeln des Einkehrtags, veranstaltet von eben diesen Rabtaldirndln. Dass es noch neun weitere gibt, zeigt die Richtung an, in die der schwarze Wollknäuel in eben diesem Stück Schwarze Wolle rollt.

(c) Franz Sattler

(c) Franz Sattler

Das Stück – dieses clevere, lustige Stück – weist Schranken auf, ohne uns in sie zu weisen. Kopfnickend und lachend stimmt man den Rabtaldirndln beim parodistischen Auseinandernehmen des ländlichen Katholizismus zu. Kopfnickend deshalb, weil wohl der Großteil des Publikums sich irgendwo wiederfindet und das fiktive Rabtal zum realen Überall wird. Die fünf Schauspielerinnen füllen die mit nur minimalen Requisiten bestückte Bühne mit Szenen und Sketches, die das altbekannte, für den österreichischen Humor so essentielle Prädikat „aus dem Leben gegriffen“ unbedingt aufgedrückt bekommen müssen. Mit einem Postbusticket im Postkasterl und einem Zettel der bescheinigt, dass man die Teilnahmekriterien erfüllt und herzlich zum religiösen Einkehrtag eingeladen ist. Los geht’s dann mit einer Phantasiereise. (Augen zu oder nicht, es ist dunkel, schwarze Sitze im Theater, Arme verschränkt oder nicht, es ist genau Jetzt.) Und spätestens da merkt man, dass auch der Rest der Stunde konstant humorvoll und clever weitergehen wird.

Aber viel mehr noch: Dass die Situation, in der die Rabtaldirndln den Platz des fehlenden Pfarrers und die übermächtige katholische Erziehung an sich reißen, so lebensnah ist, macht das Stück nicht nur zu einem unterhaltsamen, sondern verstärkt vor allem die Gültigkeit und Relevanz der Aussage des Stückes: „A bisserl schwarze Wolle is immer in der Unterhosen, egal wie sehr ma sich bemüht.“ Von der Windel weg und nie enden wollend (!) zieht sich der schwarze Faden des Katholizismus durch das Gewebe unseres Lebens. Der Spieß des Pseudogetue wird umgedreht: Am Blatt von der Kirche ausgetreten, aber trotzdem gläubig bei all dem religiösen Brauchtum, den man praktiziert, sitzt die Wolle doch so tief und so schwarz. Das ist das neue „am Blatt katholisch, aber eh nicht gläubig“.

Die Rabtaldirndln nehmen ihre religiöse Erziehung und reißen sie an sich. Sie sagen, damit dürfen sie machen was sie wollen und damit dürften sie Recht haben. Aber so grundloses Vertrauen in die Gültigkeit ihrer Annahmen sieht den Rabtaldirndln nicht ähnlich, weshalb sie sich gegenseitig intellektuell herausfordern und genauso ihre körperlichen Kräfte messen, beim „Endurance Pumpkin Holding“ zum Beispiel, oder beim gegenseitigen Fragenstellen. An vielen Punkten im Stück wird klar, was die Rabtaldirndeln wollen, am deutlichsten aber hier. Nämlich in wievielen noch so alltäglichen oder noch so außergewöhnlichen Situationen man auf das selbe stößt: Grüßgott, Katholizismus. Die Reue, die Kleine Zeitung, die falsche Scham, das Pickerl über der Tür, sich selbst für die Menschheit opfern und die Feste feiern wie sie im religiösen Buche stehen. Dort und noch viel, viel tiefer vergraben, liegt das schwarze Schaf, dessen Wolle sich durch das Leben (einer Frau) spinnt (!).

(c) Florian Rainer (brut Wien)

(c) Florian Rainer (brut Wien)

Es gibt uns Vieles mit – das Stück und das Kollektiv der Rabtaldirndln. Man bestaunt die Fähigkeiten der Gastschaupielerinnen im Schauspielhaus, genauso wie man das Zustandekommen einer solchen Truppe (samt Hund) bewundert. Da will man in jedem Fall dranbleiben und das kann man beispielsweise hier: http://dierabtaldirndln.wordpress.com/. Zum anderen nimmt man sich die eigene schwarze Wolle, selbst die ganz versteckte, die in der Unterhose, erneut zu Herzen, um sie dann zumindest versuchsweise auszutreiben – und das ist gut so. Mehr als das.

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