LOHENGRIN von Richard Wagner

Das erste und nicht das letzte Mal.

Lohengrin wird von Wagner selbst als „romantische Oper“ bezeichnet und handelt von der Liebesgeschichte zwischen Elsa (Gal James) und Lohengrin (Johannes Chum). Als Elsa in Not ist erscheint Lohengrin wie durch ein Wunder als tapferer Ritter  und rettet sie aus ihrer Not. Als Dank vermählt sie sich mit ihrem mutigen Retter, jedoch muss sie ihm versprechen, niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft zu fragen. Ortrud (Michaela Martens) und Friedrich von Telramund (Anton Keremidtchiev), die Elsa überhaupt erst in ihre Notlage gebracht haben, sind nun bestrebt, sie zu verleiten, ihrem heldenhaften Ritter die verbotene Frage zu stellen, um so seinen Zauber zu brechen.

Diese Oper war wahrscheinlich nicht nur für mich eine Herausforderung, da es doch meine erste Oper in Graz war, sondern auch für den Intendanten Johannes Erath sowie das gesamte Ensemble. Das Bühnenbild und der gewaltige Chor, der als lebendiges Bühnenelement eingesetzt wurde, konnten der „mächtigen“ Musik von Wagner absolut gerecht werden. Dieser überwältigende Eindruck aus dem ersten Akt verebbte jedoch bis zum Ende der Oper. Der Chor, der die Rolle des Volkes darstellte, war mal in Schwarz, mal in Weiß gekleidet, um so seine Gesinnung zu den jeweiligen Parteien darzustellen. Die Parteien waren auf der einen Seite Elsa und Lohengrin, auf der anderen Seite Ortrud und Telramund.

Elsa, die im ersten Akt noch unschuldig und beinahe „naiv“ wirkte, entwickelte sich im Laufe des zweiten Akts zu einer entschlossenen jungen Frau und stellte sich Ortrud ebenbürtig entgegen. Diese, für mich beeindruckende Darstellung klang allerdings schnell wieder ab, nachdem Elsa im dritten Akt zu ihrer ursprünglichen Naivität zurückkehrte. Obwohl Ortrud im ersten Akt noch eine eher verhaltene Figur mimte, konnte man ihre Charakterzüge als Politikerin und als „Weib, das die Liebe nicht kennt“ bereits erahnen. Im zweiten Akt wurde diese Meinung durch ihr hervortreten in der Handlung bestätigt.

Lohengrin, der Ritter in Not, erschien barfuß und – überspitzt formuliert – im Pyjama (Mir war nicht bewusst, dass sich die Vorstellung von Frauen über einen Retter in Not im Laufe der Zeit so stark geändert hat.). Trotz dieses Erscheinungsbildes wurde Lohengrin durch sein Auftreten als respektvoller Charakter dargestellt. Telramund stellte für mich hingegen keine besondere Figur dar, er ist zwar der Ankläger von Elsa und gleichzeitig Kontrahent von Lohengrin, jedoch allem und jedem unterlegen.

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(c) Werner Kmetitisch

Ich hatte das Gefühl, der Konflikt zwischen Elsa und Ortrud trat gegenüber dem Konflikt zwischen Lohengrin und Telramund stärker hervor. Das mag daran liegen, dass die hohen Klänge der weiblichen Arien gegenüber den Tiefen der Männer eindeutig hervorstachen oder auch an meiner Vorliebe für starke, zielstrebige Frauen wie Ortrud. Diese Konflikte wurden allerdings immer von der Liebesgeschichte überspannt, die sich am Ende selbst zu einem offen Konflikt entwickelte.Durch das am Anfang überwältigende Bühnenbild und die wunderschönen Klänge des Orchesters, die den Zuschauer überfluteten, schien es, als ob der Gesang nicht vollendet aus diesen Wellen hervortreten konnte. Mit dem Fortschreiten der Oper entfaltete sich aber auch dieser, um genauso beeindruckend zu wirken.

Wie am Anfang bereits erwähnt, war dies meine erste Oper in Graz – und sie wird bestimmt nicht meine letzte sein!

Wer Lohengrin noch nicht gesehen hat, hat am kommenden Freitag noch einmal Gelegenheit dazu und kann sich hier einen kleinen Vorgeschmack holen:

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