HERZBETRUNKEN – Ein Ringelnatz-Liederabend mit Steffi Krautz & Christoph Rothenbuchner

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

(Joachim Ringelnatz)

Joachim Ringelnatz – eigentlich Hans Gustav Bötticher – war deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler. Bekannt ist er v.a. für seine unglaublich scharfsichtigen und humorvollen Darstellungen der Unruhen in den 1920er- und 1930er Jahren, seine gekonnten lyrischen Wortspiele (s.o.) sowie seine darin enthaltene Kunstfigur Kuttel Daddeldu, der auch an diesem Liederabend der besonderen Art nicht fehlen durfte.

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(c) Lupi Spuma

Unter Regie und Klavierbegleitung durch Klaus von Heydenaber präsentierten Steffi Krautz und Christoph Rothenbuchner Leben und Werk des Joachim Ringelnatz. In der Atmosphäre eines Varietés der 1920er Jahre lauschte man gemütlich bei einem Glas Wein oder einer erfrischenden Schale Erdbeer-Bowle den Gesängen der beiden DarstellerInnen und lachte zum ausgelassenen Treiben auf der Bühne. Und wenn dann mal ein Kugelfisch durch den Raum schwimmt – dann gehört das halt dazu!

Steffi Krautz überzeugte mit unwahrscheinlich rauchiger Stimmgewalt, Mimenspiel und Sprachkunst,  Christoph Rothenbuchner durch beeindruckende gesangliche Leistungen sowie das hervorstechend häufig zum Vorschein kommende Talent, einen Betrunkenen darzustellen. Klaus von Heydenaber führte in diesem Stück nicht nur erstmals Regie, sondern begleitete den gesamten Abend auch am Klavier.

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(c) Lupi Spuma

Herzbetrunken spielte auf der Ebene 3, dementsprechend intim und kuschelig – die Vorstellung war mit 60 Personen leider etwas überbucht – war der Abend. Doch ist gerade das der große Vorteil der sonst so kleinen Ebene 3: Nur hier kann man den SchauspielerInnen wirklich nahe kommen und vor oder nach der Vorstellung noch ein kleines Schwätzchen mit ihnen anstellen.

Für Herzbetrunken viel bereits der letzte Vorhang, doch dass auch diese letzte Vorstellung nicht nur restlos ausverkauft, sondern sogar überbucht war und wir am Eingang eine Dame trafen, die von Christoph Rothenbuchner mit den Worten begrüßt wurde: „Guten Abend, zum wievielten Mal sehen Sie das Stück heute schon?“, dürfte für sich sprechen.

 

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