Nichts Besonderes zu Pfingsten – Liebelei Lend

Hinweis: Diese Rezension ist (in seiner inzwischen überarbeiteten Erstversion) unter dem Einfluss von Alkohol entstanden. Und das ist gut so. Denn ohne Alkohol wären wir nie hier gewesen…

Die Liebelei von Arthur Schnitzler ist eines der am häufigsten gespielten Stücke der Gegenwart. Häufig in dem Sinne, dass es in den Theatern des Landes aufgeführt wird. Doch dieses mal ist es anders. Die Theatergruppe des ARTLAB-Theaterworkshops präsentierte dieses Stück in einer ihr vollkommen unbekannten Wohnung in einem Wohnheim in Lend. Eigentlich war zwar ein Gründerzeitbau in Geidorf  als Aufführungsort geplant (beworben wurde das Stück als Liebelei Geidorf), aber daraus wurde leider nichts. So wurde aus Liebelei Geidorf dann doch die Liebelei Lend.

Das Publikum sitzt vor der Wohnung (c) FRANZ VON STROLCHEN

Das Publikum sitzt vor der Wohnung (c) FRANZ VON STROLCHEN

Das Stück handelt von zwei befreundeten Paaren, die sich zwischen Haddaway und Mokkatorte auf einer Party kennen lernen sowie von der Liebe. Mizi, deren Gesang an der Karaokemaschine durch Wodka ertragbar gemacht wird, und Theo sind eingeprobte Schauspieler, Fritz und Christin werden durch die Theaterguppe spontan in Szene gesetzt – und gerade das macht das Stück so interessant! Zwei Spontanschauspieler, deren Liebe sich zu entwickeln vermag, ohne, dass sie wissen, was geschieht bzw. geschehen wird. Komplette Ahnungslosigkeit auf dem Weg zur großen Liebe bzw. zur Ernüchterung danach.

Blick in die Küche (c) FRANZ VON STROLCHEN

Blick in die Küche (c) FRANZ VON STROLCHEN

Das in drei Akte gegliederte Stück wurde von der Gruppe in Bezug auf Schnitzlers Originalversion stark entschlankt und in die aktuelle Zeit transportiert, behält aber durchaus noch seinen roten Faden. Insbesondere aber das Spiel mit den beiden Laiendarstellern, die sich vorher weder kannten noch wussten, was auf sie zukommt, macht diese Inszenierung so spannende und sehenswert.

Textstücke für die beiden Laiendarsteller sind auf sämtlichen Requisiten angebracht und, sofern diese gerade nicht in Gebrauch sind, werden ihre Dialoge durch klassische Texttafeln koordiniert. Lesefehler und die Verwunderung über den kommenden Text seitens der beiden Schauspieler sorgen regelmäßig für Lacher im Publikum, das zudem durch die Verabreichung von Mokkatorte, Wodka, Bier und Kartoffelchips bei Laune gehalten wird. Nötig ist dies allerdings nicht, denn die Inszenierung ist so schon amüsant und spannend genug – das Konzept verdient sich ein besonderes Lob.

Für mich war es, trotz Rausch, eine besondere Theatererfahrung und ich würde mir das Stück sofort wieder anschauen, auch um festzustellen wie weit sich die nüchterne Erfahrung von der betrunkenen unterscheidet. Ob es weitere Termine geben wird, wird über die Homepage des Kunstlabors bekannt gegeben. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall! Vielleicht dann auch in tatsächlich Geidorf…

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