Was ist eigentlich Kunst? Ein Gedankenspiel.

Vor einiger Zeit beschäftigte sich das KultRef mit der Frage, was eigentlich Kunst sei. Nun, eine endgültige und allumfassende Antwort auf diese Frage wird es wohl niemals geben, aber genau diese Frage schoss mir heute wieder durch den Kopf, nachdem ich gestern die Ausstellung Wer, ich? Wen, du? von Katharina Grosse im Kunsthaus besuchte. Ich bin nicht für eine Rezension dieser Ausstellung zuständig und möchte diesen Text auch nicht als solche verstanden wissen. Ich hatte auch eigentlich nicht vor überhaupt etwas über sie zu schreiben, aber sie bietet mir ein gutes Beispiel für mein Gedankenspiel.

Ausstellungsansicht (c) UMJ / N. Lackner

Ausstellungsansicht (c) UMJ / N. Lackner

Diese Arbeit verkörpert nämlich all jenes, was kurz und knapp im heimatlichen Ruhrpott-Jargon mit “Datt kannich auch!“ umschrieben wird. Zugegeben, ich wäre nie im Leben auf die Idee gekommen, in einer Halle 150 Kubikmeter Schaumstoff aufzutürmen, um diese dann wild in grellen Farben zu besprühen. Aber gut, soll sie machen…

STOP! Bevor das hier so weiter geht – ich glaube, ganz ernsthaft, darum geht es ihr: Die Gedanken anzustoßen, mit Farbe und Objekten zu spielen. Jeder kann Kunst, alles ist Kunst, man muss sich nur trauen. Das Eintauchen in die Farbe und die Spiele mit ihr und dem Licht. Kern der gesamten Geschichte als also das Erleben von Farben, ihr Fluss und ihre Großartigkeit.

“Bitte das Kunstwerk nicht berühren“ steht da wie eh und je im Kunsthaus auf den Boden geklebt, sobald man aus dem Aufzug steigt. Aber wie soll das gehen? Das Kunstwerk bezieht den Boden, ja den gesamten Space01 mit ein. Man muss über das Kunstwerk laufen, um es zu erkunden – hier wird bereits eine erste Grenze zur Kunst überschritten. Im Programmheft heisst es dazu passenderweise:

Mit ihren Interventionen lotet sie den Raum aus, befragt ihn. Oft setzt sie sich mit ihren Farben auch ganz bewusst über ihn hinweg und demonstriert dabei die magische Stärke ihrer Leuchtkraft.

Riesig und monströs mäandriert dieser Schaumstoffklotz durch den Raum, grelle Farben lassen sich durch witterungsbedingte Beleuchtungsunterschiede vielfach erleben und die Versuchung, in diesen riesigen Berg aus Schaumstoff zu springen, ist kaum zu beschreiben. Außer mir waren nur fünf Bedienstete im Raum (die darauf achteten, dass ich nicht doch zum Sprung ansetzte), und ich weiß nicht genau, wie lange ich mich dort aufgehalten habe, mein breites Grinsen habe ich jedoch erst beim Verlassen des Kunsthauses wieder abgelegt.

Was ist also Kunst? Nun, anhand dieser Ausstellung, zu der mir immer noch der Bezug zu ihrem Titel fehlt, lässt sich diese Frage vielleicht doch gut beantworten. Vielleicht ist es einfach die Tatsache, mit etwas so trivialem wie grellen Farben, 150 Kubikmetern Schaumstoff und ohne ein erkennbares Motiv Menschen dazu zu animieren, sich ganz, ganz lange über genau diese drei Sachen Gedanken zu machen.

Nähere Informationen zur Ausstellung, die noch bis zum 12. Oktober zu sehen ist, findet man auf der Homepage des Kunsthauses oder im Museumsblog.

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