„La Favorite“ – einmal neu im Amerika der 1960er

Die Neuinszenierung von La Favorite durch Sam Brown versetzt die Herzschmerz-Story der Lieblingsdame zweier Herren in die USA der 1960er Jahre – etwas unglaubwürdig an manchen Stellen, doch durchaus gelungen.

Der Grundgedanke, die Macht des amerikanischen Präsidenten könne mit der eines kastilischen Herrschers gleichgestellt werden – „Unter-der-Fuchtel-der-Kirche-Stehen“ inkludiert – ist absolut passend, der Rest fügt sich leider nicht so nahtlos ins 20. Jahrhundert. Vor allem, wenn man die Geschichte aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur Léonor betrachtet. Eine heiratswütige Dame aus den 60ern – okay. Aber niemand würde auf die Idee kommen, ihren nächsten bzw. neuen Ehemann zu sekkieren, nur weil er die ehemalige Geliebte des Präsidenten geheiratet hat. Wenn überhaupt, würde wohl der Präsident unter schlechter PR leiden – nicht die Favoritin oder ihr Neo-Gatte. Trotz dieser Ungereimtheit glänzt die Inszenierung vor allem durch das mehr als beeindruckende Bühnenbild und die Kostüme im Retrostyle.

La Favorite

Die Busfräulein, angeführt von Inés (Margareta Klobucar), der quietschfidelen Vertrauten von Léonor – hinreißend komisch! (Foto: Werner Kmetitsch)

Die strenge, mittelscheitelige Darstellung des gestrengen Balthazar durch Wilfried Zelinka hat wohl so manchem ein Schmunzeln entlockt, das Ende von Léonor, die als Drogensüchtige stirbt, einen Daumen nach oben. Eine glaubwürdige Art zu sterben, im Gegensatz zum öden „Tod aus Liebeskummer“, den man sonst immer zu sehen bekommt. Sehr gelungen.

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Balthazar (Wilfried Zelinka), bekniet vom liebeswütigen Fernand (Yijie Shi) (Foto: Werner Kmetitsch)

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