„Aberglauben – Aberwissen“ – von Talismanen und schwarzen Katzen

Das Volkskundemuseum Graz beherbergt noch bis Ende November 2014 die Ausstellung Aberglauben – Aberwissen. Eine Welt ohne Zufall. Fast fühlt man sich ohnehin schon von der schwarzen Katze verfolgt, die von den Werbeplakaten in der ganzen Stadt verheißungsvoll und eindringlich starrt: Giftgrün ihre Augen sowie der Hintergrund, vor dem sie thront.

Letztlich bin ich ihrem Ruf gefolgt, dem der schwarzen Katze, denn selbst Goethe nannte den Aberglauben bereits „Poesie des Lebens“, sozusagen als spirituelle Begleitmelodie. Dort, wo Medizin oder Religion nicht gänzlich genügen, suchen die Menschen Trost und Schutz im Aberglauben, wenngleich die Naturwissenschaften sowie die Aufklärung bereits lange dessen Glaubwürdigkeit untergraben.

Der Aberglaube gilt nichtsdestotrotz noch heute als Kulturtechnik. Einer doch breit gefächerten Sammlung gewährt das Volkskundemuseum Obdach. Es finden sich darunter popularmagische sowie apotropäische Gegenstände – letztere fungieren als Unglücksfernhalter. Einerseits gibt es dort natürliche Gegenstände wie Wurzeln, Alraunen oder Informationen zur Heilkunde von Pfingstrosen oder Johanniskraut, andererseits lassen sich ebenso Artifizielles wie Talismane, Schmuck oder alte Bücher bewundern, die das Wissen über Praktiken zum Glück anreicherten. Glück ist ein weites Feld und so teilt sich auch diese Ausstellung in verschiedene Bereiche wie Wetter oder Träume und weitere Themenbereiche. Zum besseren Verständnis verleiht das Museum ein Ausstellungsbuch mit Fotos und genauen Beschreibungen, das es zusätzlich käuflich zu erwerben gibt.

Die schwarze Katze habe ich anfangs noch nicht entdeckt, dafür aber die interaktiven Optionen der Ausstellung: Per Knopfdruck können bei gewissen Stationen Audiosequenzen eingespielt werden, was allerdings nur auf deutsch möglich ist. Leider hat dies für mich auch nicht immer Sinn hinsichtlich der umliegenden Gegenstände ergeben. Teilweise dauerten diese bis zu zehn Minuten, was nicht unbedingt dazu einlädt, alle Audiomöglichkeiten auszuprobieren. Dafür konnte man bei einer Station seine eigenen Glücksbringer photographisch festhalten und in ein paar Worten – per Stimmaufnahme – Herkunft und Funktion des Gebildes beschreiben. Spätestens an dieser Stelle wird die Neugier des Besuchers entfacht!

Schwarze Katze. (c) Volkskundemuseum Graz.

Und dann steht sie vor mir, die schwarze Katze – ausgestopft und doch lebendig. Als hätte sie mich bereits erwartet. Unerwarteterweise löst sich in diesem Moment allerdings eine seitliche Innenwand in einer der Ausstellungskästen und fällt auf dort angebrachte Wetterkreuze. Zum Glück ist nichts passiert, aber ob ich das wohl als Zeichen deuten darf?

Zum Abschluss hat man sich eine nette Sache einfallen lassen. Mit Centstücken konnte man an einer Umfrage teilnehmen. Die abgedruckten Aussagen wie „Jemanden Hals – und Beinbruch wünschen … bringt Glück“ konnte man bestätigen oder verneinen, indem man sein Centstück in den jeweiligen durchsichtigen Behälter warf. Auch die Möglichkeit „Kenne ich nicht“ bestand bei jeder dieser Aussagen. Bis Ausstellungsende wird sich somit wohl ein interessantes Bild ergeben. Offensichtlich aber ist durch diese Umfrage, dass sich der Aberglauben in unserer Alltagssprache nach wie vor eingenistet hat.

Ich winke der schwarzen Katze beim Verlassen des Ausstellungsraumes. Sie dagegen rührt keine Miene. „Nur nicht abergläubisch werden“, denke ich.

Hier der Link zu Homepage:

http://www.museum-joanneum.at/de/volkskundemuseum/ausstellungen-1/aberglauben-aberwissen-3

sowie zum Blog des Universalmuseums:

http://www.museumsblog.at/

 

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