WEST SIDE STORY

Zugegeben: Die Thematik von grenzüberschreitender Liebe ist keine Neue. Sowohl das antike Hero und Leander oder Pyramus und Thisbe, als auch das mittelalterliche Tristan und Isolde oder Floire und Blancheflor zeichnen eine Welt, die verwerflich ist, weil sie die Liebe zweier Menschen unmöglich macht. Doch erst im ausgehenden 16. Jahrhundert hatte die Stunde geschlagen für ein Stück, das zum bedeutendsten Liebesdrama der Weltliteratur avancieren sollte.
Groß ist die Anzahl der Werke, die ihren Einfluss aus William Shakespeares Romeo und Julia beziehen (man denke an Schillers Kabale und Liebe, man denke an Fontanes Irrungen, Wirrungen), und keineswegs einmalig blieb der Versuch, die Geschichte der verfeindeten Familien Montague und Capulet aus dem frühneuzeitlichen Verona ins Moderne zu transponieren. Einer der berühmtesten dieser Versuche stammt von Arthur Laurents/Leonard Bernstein und trägt den Titel West Side Story.

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Foto: Dimo Dimov

Besucht man die aktuelle Inszenierung des Musical-Dauerbrenners im Opernhaus Graz, bezöge man einen außergewöhnlichen Unterhaltungswert selbst ohne einen einzigen Ton gehört zu haben: Denn obwohl die Bühnenkulisse klar begrenzt ist, kommt sie mit einer derartigen Vielfalt zum Einsatz, dass man trotz einer über zwei Stunden betragenden Aufführungsdauer mit überwältigender Zügigkeit an der Hand genommen und durch das New York der 50er-Jahre geführt wird. Dennoch kann nicht verschwiegen werden, dass das Einzigartige der West Side Story trotz all ihrer ästhetischen Genüsse (allen voran seien hier die Tanzchoreographien eines großartigen Ensembles zu erwähnen) wohl doch bei den Kompositionen Bernsteins zu finden ist. Manche dieser Kompositionen genießen gar einen Bekanntheitsgrad, der bis weit über die Grenzen der Musical-Szene hinweg greift (bspw. Maria, America oder Gee, Officer Krupke). Doch nicht nur die Musik selbst, auch die dazu gehörigen Texte tragen zu der heimelig-romantischen Atmosphäre bei, die sich über den gestrigen Opernsaal bald schon gelegt hat. So fühlt man sich tief berührt, hört man Tony in seiner herzergreifenden Liebeserklärung (Maria) singen: „Suddenly the name will never be the same to me.“
Es bleibt zu sagen, dass die derzeitige West Side Story in Graz einen heiteren tanz-musikalischen Abend zu bieten imstande und somit nachdrücklich zu empfehlen ist.

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