Jugend ohne Gott. Ohne Gott.

Probebühne, Schauspielhaus – Koproduktion mit dem Vorstadttheater Graz

Zu Beginn liegt der Gedanke näher, sich schon wieder in einen Hörsaal verirrt zu haben als ins Theater: das Stück beginnt wie ein Vortrag mit der fabelhaften Einleitung „Ich erzähle euch heute ein bisschen was über…“ Jugend Ohne Gott heißt das Stück. Ödön von Horváth der Autor. Situiert zur nationalsozialistischen Machtübernahme, dem Zeitalter der Fische, alle schwimmen im Strom. Mitschnitte von Nazi-Paraden in Graz werden auf einem Whiteboard abgespielt – Referatsaufbau par excellence.

Dann wird der Vortragende Matthias Ohner plötzlich gleichzeitig zu Erzählerstimme und Schauspieler vieler Figuren. Umgeben ist er von geringfügigen Requisiten: zwei Tischen, einem Laptop, vier Whiteboards, zwei Kisten, einer Lampe und ähnlich willkürlich wirkenden Gegenständen. Natürlich werden sie alle Platz finden in der Erzählung, doch zu Beginn nimmt man sie nicht einmal wirklich wahr, so beliebig, alltäglich herumstehend wirken sie. Mit den Requisiten, ein paar projizierten Fotos, Markern und Whiteboards entwickelt sich die Geschichte. Mich fängt das einfache Drumherum, das mäßige Tempo, der wenige Pomp ein. Manchmal möchte man mit schnellster Geschwindigkeit durch die Geschichte gejagt werden, dort die Musik einsetzen hören, hier eine kleine Tanzeinlage sehen. Manchmal möchte man dieser tosenden Erzählform entkommen und Matthias Ohner in Ruhe zusehen beim Lehrerspielen und erzählen von N. und Z., der Schuld und T., dem Zeltlager und Tod.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Die Schuldfrage ist zentral, sie „kreist wie ein Raubvogel“ über den Figuren. Trotzdem wirkt das Ganze dann zu rund. Jugend ohne Gott kommt beinahe wirklich ohne Gott und zusammenhängende Auseinandersetzungen aus. Die Konflikte scheinen abgeflacht dargestellt worden zu sein. (Möglicherweise bin ich nicht die beste Quelle für diese Beurteilung, da ich Ödön von Horváths Werk nie gelesen habe, aber die Kontroversität der Geschichte ist ihr zu einem bestimmten Grade genommen worden.) Dabei wäre Raum und Zeit dafür gewesen, hätte man dann doch gegen Ende der Erzählung die Vorkommnisse einen Tick schneller vorantreiben können. Andererseits möchte man auf Szenen wie die der Scharfschützenübung nicht verzichten. Ideenreichtum vermisst man keinesfalls in der Produktion unter der Regie von Ed. Hauswirth. Ein rundes Stück, vielleicht zu rund für das, was man sich eigentlich von Jugend ohne Gott erwartet. Wäre es nicht die vorerst letzte Aufführung gewesen, würde hier eine Empfehlung eingefügt werden.

Andere Pressestimmen, mehr Fotos und zusätzliche Informationen findet man hier.

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