Jugend ohne Gott: reconstructed!

Vergangene Woche ging J. gemeinsam mit D. ins Schauspielhaus, um sich auf der Probebühne eine Rekonstruktion – so der beigefügte Untertitel des Stückes, der dieses auch passend beschreibt – von Ö.‘s Jugend ohne Gott anzusehen.

Unter Ö. versteckt sich natürlich der Name Ödön von Hórvath, dessen Roman Jugend ohne Gott unter der Regie von H. (Ed Hauswirth) mit O. (Matthias Ohner), der den Erzähler und gleichzeitig die Hauptfigur, den Lehrer, spielt, rekonstruiert wurde.

(c) Lupi Suma

(c) Lupi Suma

Gestartet wurde mit dem Aufruf des historischen Rahmens des Stückes – die Zeit nach der Machtübernahme Hitlers – durch einen Film, der die Herrengasse zur Zeit des Nationalsozialismus zeigte, und dadurch zugleich die Handlung selbst mit Graz verknüpfte. Auch die verwendeten Fotografien im Laufe des Stückes, die auf Handlungsorte hinweisen, waren Bilder aus Graz. Dabei handelte es sich jedoch um aktuelle Aufnahmen, wie etwa das Gerichtsgebäud, womit die Handlung ein Stück weiter mit der Gegenwart verbunden wurde. Diese Assoziation fand ich sehr gelungen, ist doch das Thema des Stückes, unabhängig vom historischen Rahmen des Romans, heute auch noch bedeutend. Fragen, wie Wofür bin ich verantwortlich? Wofür trage ich Schuld? Macht es schon schuldig nicht einzugreifen, nicht die Wahrheit zu sagen? sollten nicht nur den Lehrer im Stück beschäftigen – es handelt sich dabei um moralische Fragen, mit denen sich jeder auseinandersetzen sollte.

Die Bühnengestaltung knüpfte an die Schule als zentralen Ort an: die aneinandergereihten, weißen Tische, ein Laptop, ein Beamer, weiße Tafeln mit den dazugehörigen Stiften. Die unterschiedlichen Orte, in denen die Handlung spielt, wurden gekonnt durch die kreative Nutzung des Schulinventars vermittelt: da wird ein Tisch mal schnell zum Sarg, indem man einen Blumenkranz drauflegt, um den Friedhof bei W.s Begräbnis darzustellen; oder umgedreht aufgestellt zur Haustür, wenn der Lehrer bei T.s Elternhaus vorbeischaut.

Beklemmende Stimmung, so wie ich sie von der Buchlektüre in Erinnerung hatte, kam im Theater jedoch nicht auf, da der Erzähler mit Anweisungen wie „Jetzt vielleicht etwas mehr Licht auf die Bühne!“ immer wieder aus der Handlung heraustrat, was bezogen auf das Thema auch als positiver Aufruf gesehen werden könnte: besser wäre es, mehr (darüber) zu reflektieren als in Gefühlen oder Stimmungen versunken zu bleiben.

Weitere Infos zum Stück

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