OBJECTS OF MEMORY

Was haben Österreich, die USA und Israel mit dem Holocaust gemeinsam? Ganz einfach, eine unglaublich interessante Lebensgeschichte, auf die wir in der Ausstellung objects of memory mitgenommen werden.

(c) Shimon Lev

(c) Shimon Lev

Shimon Lev, israelischer und jüdischer Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler wurde 1962 in Tel Aviv geboren. Er begann Anfang der 1990er-Jahre die Geschichte seiner Familie, besser gesagt seines Vaters, aufzuarbeiten. William Löw überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust, dank eines Studienaufenthalts, der ihn über England in die USA führte. Dort angekommen arbeitete er als Physiker, trotz der elf Generationen andauernden Rabbinertradition seiner Familie, bis er schließlich nach Israel auswanderte und den Namen Ze’ev Lev annahm.
Sein Sohn, Shimon Lev, nimmt uns nun mit auf die Reise seines Vaters: Die Häuser in Wien und Berlin, in denen der junge William seine Kindheit verbrachte, versetzen uns, mit einem Video, in dem die heutigen Bewohner dieser Häuser private Briefe zwischen William und seiner Familie vorlesen, zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Dabei werden beispielsweise die Sorgen der Mutter, ob ihr Sohn doch genügend zu essen hat, und nicht der Krieg thematisiert, was uns tief in die Geschichte hineinzieht. Daneben werden der bedrückende Gang der Juden zum Bahnhof auf dem Weg der Deportation geschildert und Fotos der Verwandten von 1938 bis 1944 gezeigt, in denen die harten Umstände den Personen in das Gesicht geschrieben stehen.
Doch noch nicht genug, Shimon Lev bezieht auch seine eigene Geschichte in das Projekt mit ein. Ein israelisches Dorf aus Karton, nachgebaut, um israelischen Soldaten, wie auch Lev einer war, das Schießen zu lehren. Doch wie soll man sich im Zuge dessen seiner eigenen Vergangenheit bzw. der seiner Familie gegenüber verhalten?

(c) Clemens Nestroy

(c) Clemens Nestroy

Dank des packenden Künstlergesprächs bei der Eröffnung blieben keine Fragen offen. Shimon Lev erklärte mit größter Offenheit und stellte die Bezüge zwischen den einzelnen Ländern äußerst klar dar. Eine sehr mitreißende Ausstellung, die uns den Nationalsozialismus auf eine andere Art und Weise näher bringt und das Einfühlen in eine ganz private Familiengeschichte ermöglicht.

Die Ausstellung im Kulturzentrum bei den Minoriten ist noch bis 20. Juli zu sehen und nicht nur für Geschichtsfanatiker interessant. Mein Fazit: Unbedingt hinschauen und in die Vergangenheit eintauchen!

Der Link zur Homepage:

http://www.kultum.at/?d=objects-of-memory-shimon-lev

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