Henry Purcells „The Fairy Queen“

Es ist schon etwas Besonderes, den großen Nikolaus Harnoncourt in Aktion zu sehen, noch dazu in einer Semi-Oper, für deren Inszenierung sein Sohn, Philipp Harnoncourt, verantwortlich war. Aus Erzählungen war mir bereits klar, dass mich bei The Fairy Queen in der Helmut-List-Halle etwas Imposantes erwarten würde, die Realität hat allerdings alle meine Vermutungen übertroffen.

Nikolaus Harnoncourt (c) Werner Kmetitsch

Nikolaus Harnoncourt (c) Werner Kmetitsch

Henry Purcells The Fairy Queen (1692) basiert auf William Shakespeares Sommernachtstraum – dementsprechend magisch und märchenhaft war auch die gesamte Grundstimmung des Abends. Dazu trug v.a. das Concentus Musicus Wien bei, ein Ensemble, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Alte Musik am Leben zu erhalten und an diesem Abend von Nikolaus Harnoncourt dirigiert wurde.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Die Fassung wurde stark gekürzt; dieser radikalen Kürzung vielen leider die gesamten Theater-Passagen zum Opfer, was dazu führte, dass es sich bei dieser Semi-Oper lediglich um eine Aneinanderreihung von Szenen handelte, die keiner konkreten Handlung folgten und „im Stück als Unterhaltung der Feenkönigin Titania“ (Vgl. Programmheft) gedacht sind. So habe auch ich mich genötigt gefühlt, immer wieder nachzulesen, wer denn da jetzt eigentlich was singt und in welchem Zusammenhang:

Im ersten Akt geht es vorzugsweise um die Flucht aus der Stadt; die Natur ruft und alle zieht es in den Wald – die einen voller Überzeugung, die anderen eher halbherzig… Der zweite Akt präsentiert daraufhin die Ruhe und den Frieden des Waldes. Durch den Gesang der Vögel und den erholsamen Schlaf unter Sternen wird die Schönheit der Natur besungen. In der Nacht und im Schutz der Dunkelheit lassen sich unsere unbewussten Sehnsüchte und Triebe aber kaum verbergen. So trägt der dritte Akt den Titel Liebe und Triebe – es wird schlüpfrig… was auch eine versuchte Vergewaltigung nicht ausschließt – die Tatsache, dass die Frau hierbei von einem Mann gespielt wurde, nahm der Szene aber jegliche Gewalt und zog sie eher ins Lächerliche. Als am nächsten Morgen der neue Tag anbricht, erkennen die Menschen, dass sie dringend die eine oder andere Lektion aus der Schule der Natur benötigen: Die vier Jahreszeiten traten unter der Anleitung von Elvis auf, der als lebende Diskokugel über die Bühne fegte – nette Effekte und spaßige Abwechslung, aber meiner Empfindung nach auch etwas albern und unpassend… Der fünfte und letzte Akt widmet sich dem Lob des einfachen Lebens – die beiden Verliebten (Rita Sereinig und Max Niemeyer als omnipräsentes Liebespaar, das tanzend durch die Vorstellung führte) wollen einander das Ja-Wort geben, doch werden sie dabei auch mit der harten Realität des Todes konfrontiert.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Beeindruckende Leistungen erwarteten die Zuseher allerdings nicht nur seitens des Ensembles, des Dirigenten oder der (singenden und tanzenden) Solistinnen und Solisten, sondern besonders auch vom Arnold Schönberg Chor, der nicht nur durch gesangliche Perfektion überzeugte, sondern auch durch nette Choreographien, die vor einer eindrucksvollen Kulisse v.a. durch die Menge an Darstellerinnen und Darstellern besonders imposant wirkten.

Dass der Abend keine nachvollziehbare Handlung bot, störte nicht, wenn man sich in erster Linie der Musik wegen im Publikum befand. Um das Spektakel auf der Bühne nachvollziehen zu können, musste man aber – wie bereits erwähnt – immer wieder das Programmheft zu Rate ziehen, um wirklich verstehen zu können, was gerade geschieht oder zumindest der Einführung von Thomas Höft beiwohnen, die direkt vor der Vorführung stattfand und keine Missverständnisse mehr zuließ.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Alles in Allem empfand ich diesen Abend aber als reinen Genuss, den ich jedem weiterempfehlen könnte, wäre der letzte Termin nicht schon vorbei… Im Internet findet sich aber ein Premierenmitschnitt, bei dem es sich lohnt, kurz hineinzuhören:

http://www.sonostream.tv/

 

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