Schubert.SOAP (Styriarte 2014)

Von dem weitaus unterschätzten Victor Hugo stammt das Wort: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Und tatsächlich: Den Großen der Musikgeschichte ist es wieder und wieder gelungen, ihren Konflikt, auch ihre Zustimmung, ihren Einklang mit der Welt auf das Berührendste in das Medium der Musik zu transponieren. Franz Schubert zählt unumstritten zu diesen Großen, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch er den Geist der Musik dazu genutzt hat, um zu verarbeiten, woran er auf weltlicher Ebene aufs Kläglichste gescheitert ist: Dem Leben, vor allem aber der Liebe.
Als Schubert im Jahr 1828 (es sollte sein letztes werden) seine viel gerühmte F-moll-Fantasie komponierte, war es der Schmerz und die Angst in der Liebessucht zu seiner Klavierschülerin, der jungen Karoline aus der ungarischen Aristokratenfamilie Esterhazy; das Hoffen und Bangen, das „Himmelhochjauchzende“ und das „zu Tode Betrübte“, das er im Wechsel des F-moll-Hauptthemas und des fis-Moll-Largos auf treffend-ergreifende Weise einzufangen wusste. Die Liebe blieb – wie so oft in seinem Leben – ohne glücklichen Ausgang. Doch zu welchem Glück das Leid im Leben Schuberts für seine Nachwelt avancieren sollte – das stellte ein restlos ausverkaufter Schubert-Abend der diesjährigen Styriarte unter Beweis.

Daniel Johannsen (c) Styriarte

Daniel Johannsen (c) Styriarte

„Finde nicht das Glück auf Erden“, sang Daniel Johannsen, jener Tenor, der das gestrige Publikum der Helmut-List-Halle stimmsicher durch den Abend führte – und fing damit einen Schubert ein, der im Rahmen des über zweistündigen Konzertes nicht zur Gänze offenbart worden ist. Denn es waren nicht die Produkte des Komponisten tiefster Depression, die für das gestrige Repertoire ausgewählt worden sind: Vielmehr stand ein Motto im Mittelpunkt, das für die gesamte Veranstaltungsreihe der Styriarte tragend ist: Die Natur.
Es waren die für Schubert (und die deutschsprachige Romantik) so charakteristischen Kunstlieder, die den Abend ausgefüllt haben. Dennoch ist als Höhepunkt wohl doch die große „Nocturne in Es-Dur“ unmittelbar vor der Konzertpause zu betrachten. Nicht nur handelt es sich hierbei um das berühmteste Stück des Abends, sondern gehört es zum Aufwändigsten, das den Zuhörerinnen und Zuhörern (neben einem weiteren Klaviertrio [dem zweiten und letzten des späten Schubert] zum fulminanten Abschluss) geboten worden ist – benötigt es doch Piano, Violine und Cello. Trotz des hohen Schwierigkeitsgrades kommt man – dank hochbegabter Musikerinnen und Musiker – als passionierter Hörender in seinen vollsten Genuss.
Dieser Genuss setzt sich im Zuge der zweiten Konzerthälfte nahtlos fort. Das Publikum bekommt Gelegenheit dazu, den berühmten Arnold Schoenberg Chor aus Wien zu erleben – sowohl im Konzertsaal, als auch im Rahmen einer Videoaufzeichnung vor dem Schloss Wildbach. Ob dieser Einfall originell oder gar notwendig gewesen ist? Mitnichten. Tatsächlich hinterließ er einen etwas zu bemühten Eindruck. Dennoch hat die angebotene Leinwandübertragung den ästhetischen Genuss des Abends im Großen und Ganzen – allen voran für Zuseherinnen und Zuseher der hinteren Reihen – sehr stark gefördert.
Auch wäre es falsch, das Programm einzig auf seine Musik zu reduzieren. Einen wesentlichen Beitrag zum Glanz des Abends trug der große Name Cornelius Obonya (derzeitiger Jedermann-Darsteller bei den Festspielen in Salzburg) bei: Mit ausgewählten Zitaten aus dem Briefnachlass Franz Schuberts gelang es Obonya – ein geübter Vortragender – die Übergänge zwischen den musikalischen Darbietungen unterhaltsam zu überbrücken. Sein Auftritt hat die Veranstaltung stark bereichert!

Cornelius Obonya (c) Styriarte

Cornelius Obonya (c) Styriarte

Am Ende bleibt zu sagen, dass der gestrige Abend in Ehren Franz Schuberts sich als großer Erfolg erwiesen hat und weitere Konzerttermine der SOAP-Reihe dringend zu empfehlen sind! Der folgende Link leitet zum diesjährigen Programm der Styriarte weiter:

http://styriarte.com/styriarte/programm/

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