Bach wohltemperiert

Einige Gedanken zum Styriarte-Konzert vom 14.07.2014, 20 Uhr, Helmut-List-Halle

Der erste Teil von Bachs Wohltemperiertem Klavier erfreute die Besucher der Styriarte am Montag zwei Stunden lang mit den Klängen, die Starpianist Pierre-Laurent Aimard dem Instrument virtuos entlockte. Er konnte mit diesem Auftritt in Graz, nach dem letzte Woche in Salzburg, die Station „Österreich“ auf seiner Welttournee abhaken: Erfolgreich.

Der Saal – zum Bersten voll. Das Publikum – begeistert. Der Applaus – tosend.

Soweit wenig verwunderlich.

PIanist Pierre-Laurent Aimard

Pierre-Laurent Aimard @styriarte Juli 2014

Denn der lehrhafte und doch verspielt-fantasievolle Charakter des Wohltemperierten Klaviers ist selbst Laien wie mir bekannt. Fesselnd beginnt das Konzert bereits mit der Fuge BWV 846, deren Töne, ich wage zu sagen, jedem vertraut im Ohr klingen.

Kann man seinen Blick vom Geschehen auf der Bühne lösen und lässt ihn durch die Menge des Publikums schweifen, ertappt man einige Zuseher dabei, wie sie in die imaginären Tasten schlagen – die Finger tanzen auf ihren Knien im Stillen, die Augen meist geschlossen.

Dass der Genuss dieser Musik mit geschlossenen Augen durchaus entspannend ist und ob der abendlichen Stunde mitunter als Begleitung ins Traumland optimal genutzt werden kann, konnte man, nicht ohne ein Mindestmaß an Verärgerung, bemerken: Ein kontinuierliches Schnarchen „untermalte“ die wohltemperierten Präludien Bachs. Zumindest so lange bis der wiederkehrende Applaus nach jeder Fuge erneut losbrach.

Aber sollte nicht auch das Sinn des Stücks sein? So beschrieb Bach jedenfalls seine Motivation, aus der heraus er sich „abgenöthigt war“, dieses Stück zu komponieren: Der Langeweile entgegenzuwirken und zum Zeitvertreib in „Kuhköthen“.

Das Land – gemeint ist sein Aufenthalt in Köthen in der Nähe von Magdeburg – inspirierte Bach zu diesem Opus: Es rühren die unterschiedlichsten Stimmungen der 24 Satzpaare in allen Moll- und Durtonarten – von leicht und flüchtig über tänzerisch und fließend bis hin zu brausend und mächtig. – Wahrlich wohltemperiert.

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