„Gustav Mahler.SOAP“ – Styriarte

Die vierte und letzte SOAP dieser Saison widmete das steirische Musikfestival dem exzentrischen Genie Gustav Mahler.

mahler

Gustav Mahler (c) Styriarte

Wer das Ensemble Amachord Wien kennt, weiß um dessen besondere Beziehung zu Mahler und der Sängerin Elisabeth Kulman. Diese spezielle Kombination durfte man schon vor drei Jahren im Musikverein bewundern, als sie ihre CD mit Mahler-Liedern (Hörtipp!) präsentierten. Einige dieser Werke wurden auch an diesem Abend gespielt, wobei durch einen Krankheit bedingten Wechsel die Sängerin Iris Vermillion die Musik gestaltete. Wer sich von Elisabeth Kulmans einzigartiger Weise, Mahler zu singen, loslösen konnte, durfte von der kurzfristig eingesprungenen Mezzosopranistin überrascht worden sein. Exzellent vorbereitet (großteils sang sie auswendig) interpretierte sie die kaum noch als romatisch zu bezeichnenden Lieder sehr dramatisch, aber vor allem mit viel Herz. Wie auch schon als Küsterin in Jenufa an der Grazer Oper, überzeugte sie mit ihrer Inbrünstigkeit und glich damit die kleinen Makel ihrer nicht mehr ganz jungen Stimme aus. Barfuß und mit (ihrem?) Hund auf der Bühne fühlte sie sich im Kreis aufmerksamer Musiker sichtlich wohl und zog einen Spannungsbogen durch den Abend, der im letzten Lied seinen Höhepunkt fand. Mit den Worten „Ich leb‘ allein in meinem Himmel, in meinem Lieben, in meinem Lied!“ aus Ich bin der Welt abhanden gekommen ließ sie die Erfahrungen eines ganzen Sängerlebens spüren, sodass man gar nicht anders konnte, als bis zum letzen Ton ehrfürchtig zu lauschen.

Literarisch wurde die Musik von der Schauspielerin Eva Herzig umrahmt. Mit ein paar kleinen Holperern las sie etwa Geschichten vom „Schnützelputzhäusl“ von Natalie Bauer-Lechner und Episoden der Alma Mahler mit ihrem Mann. Sehr bildhaft konnte man sich das Leben mit dem launischen Meister vorstellen, dessen große Liebe zur Natur sich nicht nur in seinem Lebensstil, sondern auch in seiner Musik deutlich abzeichnete. „Die Berge und den See brauchen Sie sich gar nicht mehr anschauen“, erklärte Johannes Silberschneider alias Gustav Mahler vor der Kulisse des Attersees, „das hab‘ ich alles schon wegkomponiert!“. In einem Kurzfilm aus dem Grünen (kann auf der Styriarte-Homepage angesehen werden) porträtiert der vielseitige Schauspieler einen melancholischen Mann. Die am Komponierhäuschen vorbeiziehende Blaskapelle spiegelt mit ihrem Trauermarsch die deprimierte Stimmung des Komponisten wider. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, welche Schönheit ein trauriger Geist hervorzubringen vermag.

Der Abend hatte auch eine beeindruckende Demonstration zu bieten: Auf einem sogenannten Welte-Mignon-Flügel aus dem Technischen Museum in Wien wurden „Uraufnahmen“ von Mahler höchstpersönlich gezeigt. Die über Lochkarten gesteuerte Anlage zeigt eine Technik, mit der angeblich dynamik- und tempogetreue Widergaben der Originalwerke möglich sind. Die von 1905 stammende Erfindung beweist zum Beispiel die Annahme, dass Interpretationen aus der Entstehungszeit vieler Werke viel schneller gespielt werden, als es heute üblich ist. Auch wenn die Vorführung sehr eindrucksvoll ist, so bleibt es doch dem persönlichen Geschmack überlassen, ob der Mensch hinter dem Spielen zu hören war.

Amachord Wien ; (c) Styriarte

Amachord Wien (c) Styriarte

Dezent wie aus dem Hintergrund und doch mit der Präsenz einer ersten Reihe bildeten die Töne des Amachord Wien den großen Klangkörper des Abends. Das inzwischen seit 14 Jahren bestehende Ensemble setzt sich aus vier Charaktermännern mit einer unkonventionellen Konstellation an Instrumenten zusammen: Geige, Cello, Kontrabass und Akkordeon. Wer sich auf das Ungewöhnliche einlassen kann, wird schnell dem Charme dieses Quartetts erliegen. Die sich nicht auf eine Musikrichtung beschränkende Gruppe überzeugte mit ihrer einfühlsamen Begleitung des Liedgesangs, aber auch mit den rein instrumentalen Stücken des Abends: dem großen 2. Satz von Mahlers erster Sinfonie und dem Adagietto aus der fünften. Letzteres spielten die Musiker so zart, dass man das Gefühl hatte, als wäre das Streichen ihrer Instrumente zu einem Streicheln geworden.

Informationen zu Styriarte und weiteren Konzerten unter:

http://styriarte.com

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