„Unter den Linden“ – Ein letzter Abend mit dem Hilliard Ensemble

The Hilliard Ensemble, bestehend aus David James (Countertenor), Rogers Covey-Crump (Tenor), Steven Harrold (Tenor) und Gordon Jones (Bariton), existiert seit nunmehr 40 Jahren und hat sich in dieser Zeit den fabelhaften Ruf als eines der weltbesten Vokalensembles erarbeitet. Eigentlich spezialisiert auf Musik vor 1600, schrecken sie auch vor modernen und teilweise sehr experimentellen Werken, die u.a. eigens für das Ensemble komponiert wurden, nicht zurück. Mit dieser letzten Welttournee nimmt die Formation nun endgültig Abschied von seinen Fans.

The Hilliard Ensemble (c) Marco Borggreve

The Hilliard Ensemble (c) Marco Borggreve

Am Abend des 17.07. machte das Ensemble Station in der Grazer Listhalle. Betrachtet man das Programm dieser Vorstellung, stellt sich einem aber doch die Frage, warum dieser den Titel Unter den Linden trägt, ist dies doch das einzige Werk des Walther von der Vogelweide, das an diesem Abend dargeboten wird. Der Titel passt natürlich einwandfrei zum übergeordneten Motto der heurigen Styriarte: Im Zauber der Natur – dazu auch zwei Lindenbäume, die das karge Bühnenbild – im Zentrum sollen schließlich die Sänger stehen – umrahmen.

Das Programm spannte einen weiten Bogen von Werken vor 1500 bis hin zu Neuschöpfungen aus den 90ern. Das Ensemble, das rundum fantastische Leistungen erbrachte, konnte also einen kurzen Einblick in deren gesamtes Repertoire bieten. So erfolgte der Einstieg in der Gegenwart mit Kullervo´s Message (Veljo Tornis, *1930), wurde dann leicht schräg mit She weeps over Rahoon (Jan Steele, *1950), gleichzeitig amüsant (Le chant des ouseaux (Clément Janequin, ca. 1485-1558), El grillo (Josquin Desprez, um 1450-1521)) und schloss den Kreis wieder in der Neuzeit mit The Excursion into Mountains (Heiner Goebbels (*1962)).

Walther von der Vogelweide (c) HS C, UB Heidelberg

Walther von der Vogelweide (c) HS C, UB Heidelberg

Durchwegs sympathisch – teilweise auch aufgrund des charmanten britischen Akzents in nicht-englischsprachigen Werken – und gesanglich perfekt führte das Ensemble durch einen Abend mit Heldenepen aus Finnland und Volkslieder aus England, Spanien, Frankreich, Italien und dem deutschsprachigen Raum. Das titelgebende Werk Under der linden wurde dabei als Solo des Countertenors David James vorgetragen – man möge mich als Banausen bezeichnen, aber – trotz Würdigung seiner beeindruckenden gesanglichen Leistungen – ein Countertenor ist nicht jedermanns Sache. Ganz besonders nicht, da er aus jedem Stück dermaßen heraussticht, dass die Tenorstimmen daneben drohen unterzugehen. So beispielsweise Steven Harrold, der mit der eindeutig jüngsten und dadurch klarsten Stimme des Ensembles der Star meines Abends war.

Wer das beeindruckende Konzert des Hilliard Ensembles nicht miterleben durfte, hat am Montag, 28. Juli, um 10:00 Uhr noch einmal die Gelegenheit, die Radioübertragung auf Ö1 zu verfolgen.

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