Wenn im Schauspielhaus die Götter weinen…

Es grenzt an einen Skandal: Colm (Udo Samel), der Leiter eines internationalen Riesen-Konzerns, der sein Unternehmen aufgebaut und jahrelang mit strenger Hand geleitet hat, beschließt plötzlich, die Führung an zwei seiner Mitarbeiter, Catherine (Verena Lercher) und Richard (Marco Albrecht), zu übergeben; seinem eigenen Sohn Jimmy (Samouil Stoyanov) entreißt er hingegen jegliche Machtbefugnis. Colms Mitarbeiter, die er selbst zu knallharten „Monstern“ ausgebildet hat, sind schockiert und fassungslos. Colms Plan war es, weiterhin als Vorstand und Berater zu agieren, er wird von Catherine und Richard, die einen beinharten Konkurrenzkampf beginnen, aber eiskalt hintergangen und letztlich – auch durch Mitwirken seines Sohnes – in den Ruin getrieben. Dieser Kampf, der scheinbar harmlos damit beginnt, möglichst viele Mitarbeiter auf die „richtige“ Seite zu zerren, ufert letzten Endes in eine Art Weltkrieg aus. „Die Manager werden zu Warlords, die Zivilisation fällt dem Krieg zum Opfer“ (URL: http://www.schauspielhaus-graz.com/schauspielhaus/stuecke/stuecke_genau.php?id=20861). Nur wenige überleben, am Ende steht man vor einem großen Trümmerhaufen.

Die Götter weinen (c) Lupi Spuma

Die Götter weinen (c) Lupi Spuma

Die österreichische Erstaufführung von Die Götter weinen des britischen Dramatikers Dennis Kelly unter der Regie von Anna Badora feierte am 25.09. Premiere am Schauspielhaus Graz. Die vorangekündigte Zeitspanne von etwa drei Stunden mag zu Beginn zwar abschreckend wirken, man sitzt aber doch bis zum Schluss wie gebannt im Publikum, und kann es kaum fassen, was sich da auf der Bühne alles tut. So viele Dinge passieren gleichzeitig, dass man schnell den Überblick verlieren kann und das Gefühl nicht los wird, etwas verpasst zu haben. Die schauspielerischen Leistungen sind durchwegs fabelhaft, der Übergang von knallharten Managern zu eiskalten Warlords geschieht erst schleichend, dann sehr plötzlich – aus dem Konferenzraum wird ein Schlachtfeld.

Die Götter weinen (c) Lupi Spuma

Die Götter weinen (c) Lupi Spuma

Wer es turbulent mag, Happy Ends verabscheut und das Schauspielhaus lieber nachdenklich als erheitert verlässt, der sollte sich dieses Stück nicht entgehen lassen: http://www.schauspielhaus-graz.com/schauspielhaus/stuecke/stuecke_genau.php?id=20861

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