„Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza

Wer den gleichnamigen Film Roman Polanskis kennt, weiß dass sich die Handlung nicht um eine cholerische, um sich schlagende Figur der antiken Götterwelt dreht. Nein, eigentlich fängt das Stück ganz harmlos an.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma


Es treffen sich zwei Elternpaare, um den Streit ihrer Kinder auszudiskutieren. Ferdinand hat Bruno am Spielplatz zwei Zähne mit einem Stock ausgeschlagen, da er nicht in die Bande Brunos aufgenommen werden sollte.

Dies nur zur Vorgeschichte, eigentlich spielt sich aber alles im Wohnzimmer der Eltern des verprügelten Jungen ab. Nach der noch einigermaßen zivilisierten Anfangsszene kommt das Gespräch auf den kürzlich verschwundenen Hamster der Familie Brunos. Der Gatte hat das verhasste Tier nämlich auf der Straße ausgesetzt. Dies ist nur ein Beispiel für die immer wieder auftauchenden Streitereien zwischen den Ehepartnern, die nicht Hauptgrund des Treffens sein sollten. Im Laufe des Geschehens kristallisiert sich aber heraus, dass die Geschichte genau das ausmacht und die eigentliche Intention des Treffens immer mehr in den Hintergrund rückt. Übrigens kommt der Hamster auch kurz vor dem Ende des Stücks noch einmal ins Gespräch, weswegen er mir in besonderer Erinnerung geblieben ist.

Auch warum das Stück den Titel Gott des Gemetzels trägt, wird geklärt: Es wird ein Vergleich zwischen der Auseinandersetzung der beiden Jungen mit den Völkermorden in Afrika gezogen. Diese und weitere immer wieder fallende spitze Bemerkungen waren der Grund dafür, dass sie durch ihre oft sehr übertriebene Art die Zuseher des öfteren in einen Lachanfall ausbrechen ließen.

Olivia Grigolli und Stefan Suske (c) Lupi Spuma

Olivia Grigolli und Stefan Suske (c) Lupi Spuma


Die emotionalen Höhen und Tiefen der Figuren stellten wohl eine besondere Herausforderung dar, wurden aber durch die sehr guten schauspielerischen Leistungen perfekt gelöst.

Wer also einen überaus unterhaltsamen, witzigen Theaterabend verbringen möchte und Geschichten aus dem täglichen Leben mag, wird Gott des Gemetzels von Yasmina Reza lieben. Nicht umsonst kam es zu einer Wiederaufnahme des Stückes aus der letzten Spielzeit.


Infos zur Theaterautorin Yasmina Reza: http://www.schauspielhaus-graz.com/schauspielhaus/ensemble/ensemble.php?bereich=24&id=3170

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