Die Götter weinen. Ich sowieso.

Schauspielhaus, Hauptbühne

Auch die anderen Normalsterblichen im Publikum sollten weinen. (Wenn auch nur innerlich.) Ob nun aufgrund des grausamen Verlaufes der Geschichte über einen internationalen Konzern, der sich und alle um sich in Grund und Boden manövriert, über miss-wirtschaftende Umstände in der Realität oder der Inszenierung wegen sei vorerst dahingestellt.

Der Inhalt von Dennis Kellys Stück in seiner kürzesten Fassung wäre wohl mit Wörtern wie Macht, Geld, Intrigen und deren Konsequenzen gespickt. Die Nachricht, die schlussendlich durch die Ausartungen der unterschiedlichen Beziehungen innerhalb des Unternehmens – Vater-Sohn, Chef-Chefin, Affäre-Ehepartner – vermittelt werden soll, ist eine viel sanftere.

(c) Lupi Spuma

Udo Samel (c) Lupi Spuma

Colm, der Firmenchef wird von Udo Samel verkörpert, der schon Shakespears König Lear dargestellt hat, worauf dieses Stück beruht. Er überliefert unter lauten Musikeinschaltungen, dafür leisen Dialogen, zwischen Kunstblut und Ganzkörperschutzanzügen, neben einer toten und einer lebendigen Katze die folgenden Weisheiten: Die Götter (oder wer auch immer) schufen das Universum nicht mit grausamer Absicht und mit der Erwartung, hier können nichts als Grausamkeiten geschehen. Nein, sie weinen aus ungläubigen Augen wenn sie uns beobachten wie wir immer tiefer, immer rasanter in den Morast der Gräueltaten versinken. Und wen trifft die Schuld? Was ist denn nun noch gut und böse in all dem Bösen? So unklar diese Antworten oft sein mögen, im Stück sind es (realitätsnah) alle jene, die machtgierig, profit-jagend Ziele verfolgen und sie ohne Rücksicht auf Verluste jeglicher Art weiterverfolgen und alle jene, die diese Ziele aufrechterhalten, um vom Profitkuchen mit schmausen zu können und um in die Gefälligkeit jener zu fallen, die Macht innehalten.

(c) Lupi Spuma  Birgit Stöger

Birgit Stöger (c) Lupi Spuma

Und darunter noch die zaghaftere Nachricht: alle Mächtigen, alle Machtlosen sind so unbedeutend klein. Wie kommen sie – die Mächtigen – also dazu, sich als große Besitzer dieser Welt hervorzutun? Die Welt ist nicht die ihre und ihre Ziele nur eigennützige Hirngespinste der Gier. So nobel sie sich geben, die eine „gute Tat“ hie und da, so erfolgreich sie auch sind: Mächtig werden bedeutet zum Monster zu werden.

Im Allgemeinen also: true story. Und neben schauspielerischen Schmankerln wie die Performances von Katharina Klar, a.k.a. die heimliche Tochter Colms und Birgit Stöger, a.k.a. die Affäre des offiziellen Sohnes von Colm und einer mutigen und realitätsnahen (wenn auch obskuren) Abbildung einer außer Kontrolle geratenen Gier nach Macht und Geld bleibt eigentlich nur ein kleines „Aber…“: Mich persönlich trifft es nicht dort, wo mich sonst ein Stück mit inhaltlichem Reiz trifft. Ich vermute, dass meine Begeisterungstränen, die ich normalerweise für Stücke wie diese weine, irgendwo in den Trümmern der ballernden Inszenierung begraben liegen. Vielleicht dort, wo die pompöse Inszenierung einen zu großen Kontrast zur unbedeutenden Existenz darstellt. Vielleicht weil so die Kritik an denen, die lauter schreien, mehr bieten, noch lauter schreien nicht mehr so klar als Kritik wirkt, wird es doch wieder als Stilmittel verwendet. Möglicherweise sind meine Augen aber auch nur von den allgemein subtileren, kleiner inszenierten Probebühnenaufführungen getäuscht oder vielleicht ist es auch einfach zu nah dran an der Realität.

Das Theater verlasse ich jedenfalls nachdenkend, aber unbefriedigt. Über die Umstände weine ich ohnehin.

Hier der Trailer zum Stück, welches noch am 5. Novemeber sowie 6. und 30. Dezember auf der Hauptbühne im Schauspielhaus zu sehen sein wird. Weitere Informationen können hier gesucht und gefunden werden.

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