Köhlmeier auf Teufel komm raus

Michael Köhlmeier erzählt auf Teufel komm raus und natürlich gelingt es ihm. Am 25. Oktober im Schauspielhaus auch thematisch: Der Teufel. Eine Biographie.

Zuerst die Kurzbiographie des Abends: lustig, traurig, schön. Würde der Teufel mir eine Erzählstunde bei Köhlmeier anbieten, ich sagte nicht nein.

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Michael Köhlmeier (c) APA

Los geht es mit dem biblischen Steckbrief des unter mehrfachen Tatverdachts stehenden Teufels. Warum ist er denn so böse? Und sind die anderen wirklich so gut? Erkennen ihn nicht nur alle als böse, da sie das Böse aus sich selbst wierdererkennen? Was hat Luzifer damit zu tun, steckt er denn noch immer in Mitten der Erde? Und was hat es mit Michael – dem anderen – auf sich? Zumindest diese Fragen beantwortet Michael Köhlmeier mit angenehm tiefer, leicht kratziger Stimme. Wie diese Antworten aufgenommen werden, kann so unterschiedlich ausfallen wie der Grad des Rauschens von Köhlmeiers Mikrofon, das am Pullover kratzt. (^^)

Der Abend kann, zum Beispiel, eine schöne Märchenstunde sein, ein brillanter Geschichten-Erzähl-Abend. Meinetwegen fühlt man sich sogar ans Selber-Erzählen für die Kleinen oder an das Erzählt-Bekommen erinnert. Der Abend kann freilich auch ein komödienartiger Vortrag sein, bei dem man die lockere Redeart und den wohl pointierten Schmäh erhascht und die sarkastisch parodierten Augenblicke (tausende!) nicht übersehen kann. Oder dieser Theaterabend kann schlichtweg ein Wissens-Take-Away sein, wenn man so will. Viel genauer weiß man nun, was dort in der Bibel erzählt wird, welche Wendungen die Darstellung des Teufels im Mittelalter genommen hat, wer dieser Hiob nochmal war und was seine Botschaften. Genauso kann man Köhlmeier kritisch unter die Lupe nehmen, so wie er das mit, ich nehme an, allem tut. Mühelos kann man seine kritische, sarkastische Auffassung von dem, was er liest, von dem, was er erzählt und dem, was er weitergeben will erkennen. Mehr in diese Richtung wird wohl auch in seinem Buch Zwei Herren am Strand zum Vorschein kommen, in dem er die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Churchill und Chaplin beschreibt.

Der Abend kommt, nicht zuletzt, ohne Trauer nicht aus. Dem Hiob werden alle Kinder genommen und all sein Besitz. Trotzdem bleibt er Gott treu und erhält als Dankeschön den doppelten Besitz und doppelt so viele Kinder. Darüber macht Köhlmeier seinen Unmut, seine Aufruhr, seine Betroffenheit mehr als eindeutig: „Als könne das den Verlust jemals wieder gut machen.“ Und dann fällt’s einem wieder ein: Köhlmeier hat seine Tochter bei einem Wanderunfall verloren und was hier geschieht, ist ein Einblick in seine persönliche Gefühlswelt.

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Michael Köhlmeier (c) Clemens Fabry

Wie eine Nachspeise, die vom ganzen Menü am unvergesslichsten bleibt, garniert Köhlmeier seinen Abend mit zweierlei an gewaltigen Geschichten, beide mit der Botschaft: Glücklich sein! Jetzt! Und sich dessen bewusst sein! Unbedingt! Das „go out with a bang!“ – Prinzip ist ihm gelungen, also verlässt Köhlmeier die ungewohnt leere und erfrischend subtile Bühne des Schauspielhauses. Wie schön, dass er nächstes Jahr wieder kommt. (Davor schon im Literaturhaus im November.)

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