Revival der Utopie

Im Needle sind bei freiem Eintritt noch bis zum 09. November die utopischen Entwürfe von Grazer Architekturstudent*innen zu sehen, es handelt sich also um eine Architektur der Utopie. Konzipiert wurden die Modelle im Verlauf einer Lehrveranstaltung des Instituts für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz.

Am Freitag, dem 24. Oktober fand die Ausstellungseröffnung statt, wobei vor allem die Podiumsdiskussion mit Eilfried Huth, Daniel Gethmann, Petra Eckhard, Ana Jeinic, Michael Hieslmair und Katrin Bucher Trantow interessante Einblicke gab: zum einen in die Geschichte der Utopie in der Architektur, zum anderen in den Gestaltungsprozess der Projekte während der Lehrveranstaltung.

Eine Verbindung zu Ersterem stellen dabei Abbildungen der Arbeiten von Eilfried Huth dar, die an den Glaswänden des Needles befestigt sind: dieser hat in den 1960er Jahren eine (utopische) vertikale Stadt, Stadt Ragnitz, entworfen, und schlug auch als Teilnehmer der Podiumsdiskussion eine Brücke zwischen Entwürfen der 1960er Jahre und den in der Ausstellung zu sehenden Projekten, die auch teilweise auf ältere Projekte referenzieren.

Die Entwürfe geben unterschiedliche Antworten auf die Frage: Was ist eine Utopie? Das spiegelt sich auch in der Vielfalt der Themen wider, die aufgegriffen werden: da wird etwa der technische Fortschritt (Technotopia) in den Vordergrund gerückt, der Klimawandel (Climate Change) und seine Auswirkungen auf die Architektur, ein Werk bezieht sich sogar auf die politische Geographie (Geopolitics), indem die Situation zwischen Nord- und Südkorea als Ausgangspunkt für den utopischen Entwurf dient. Auch Anspielungen auf andere Disziplinen, etwa Literatur, finden sich bei den Entwürfen, wie Catherina Papsts Projekt mit dem Titel Die Verwandlung:

die_verwandlung

(c) Ana Jeinic

Bemerkenswert ist auch das Ineinanderfließen von utopischem Text und der räumlichen Umsetzung: Da es sich bei jeder Utopie um ein komplexes System handelt, wurde für eine erste Konzeption auf das Medium ‚Text‘ zurückgegriffen. Dabei ist auch Text nicht gleich Text: für die narrative Darstellung ihrer Utopien griffen die Studierenden auf verschiedenste Textsorten zurück, darunter finden sich etwa auch Reisemagazine und sogar eine Geheimakte. Die räumliche Umsetzung bildet dann teilweise auch nur einen bestimmten Abschnitt des utopischen Systems ab, und wirkt dadurch wieder auf den Text zurück.

Man sollte sich auf jeden Fall viel Zeit nehmen, um durch diese kleine, aber beeindruckende Projektpräsentation zu gehen. Zwar wirken die räumlichen Entwürfe auch für sich genommen gut, dennoch ist es erforderlich, um das utopische System dahinter erfassen zu können, die sehr kreativen Texte dazu zu lesen. Auch ist die Auseinandersetzung mit aktuellen, weltpolitischen Problemen, wie etwa dem Klimawandel oder Wirtschaftswachstum spannend, da vor Augen geführt wird, in welche Richtung dies führen könnte. So muten auch teilweise die utopischen Entwürfe eher dystopisch an.

Insgesamt kann man das Projekt auch als Plädoyer für die Utopie in der Architektur sehen, da diese, wie in der Podiumsdiskussion erläutert wurde, in den letzten Jahren zugunsten von „realistischeren“ Projekten zu sehr in den Hintergrund gerückt ist.

Noch bis 9. November lassen sich die utopischen Entwürfe im Universalmuseum Joanneum (Link zum Museumsblog) bewundern, weitere Informationen zur Ausstellung finden sich hier: Architektur der Utopie.

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