Motel

Das aus der Feder von András Vinnai stammende und von Viktor Bodó aufgeführte Stück stellt Theaterkonventionen auf den Kopf. Während der ersten Stunde ist man noch der festen Überzeugung, man habe es mit einem klassischen geradlinigen Plot zu tun. Wie der Name schon sagt, spielt sich die Geschichte in einem Motel ab, das schon lange nicht mehr gut besucht ist. Die drehbare Bühne stellt die Rezeption dar. Karge Einrichtung, beiges Licht, ein gelangweilter Rezeptionist – man fühlt sich ein bisschen an Hitchcock erinnert.
Ein Gast, ein Autor mittleren Alters, der gerade an einem Krimi schreibt, kommt mit dem Rezeptionisten ins Gespräch. Vom Autor inspiriert, entscheidet sich der Rezeptionist dazu, auch an einem Buch zu schreiben. Je weiter das Stück voran schreitet, desto schwieriger wird es, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Man weiß nicht mehr, ob die Gäste des Motels real sind oder aus der Feder des Autors oder doch des Rezeptionisten stammen. Gibt es das kongeniale Auftragskillerduo, das aus einem Tarantino-Film stammen könnte, wirklich? Ist die Gruppe junger ungarischer Wissenschaftler, deren Experiment furchtbar schief gegangen ist, überhaupt real? Und was ist mit dem Ungeheuer aus dem Sumpf, dass einen jungen weiblich Gast heimsucht? Irgendwann wissen das selbst die Charaktere nicht mehr. Das Stück eröffnet immer mehr Ebenen und Handlungsstränge.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Auf die vielen Ebenen, auf denen das Stück aufbaut, muss man sich natürlich einlassen können. Auch darauf, dass man irgendwann nicht mehr weiß, worum es eigentlich geht. Aber das ist das Konzept von Motel. Es kostet alle Möglichkeiten des Theaters aus. Es ist pures Spiel. Es nimmt sich nicht zu ernst. Das macht Motel so besonders. So besonders gut.

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