Männer…

Was schaut ihr euch heute an? – Männer.

Und was tun die? – Tanzen.

So oder so ähnlich könnte auch die Beschreibung eines Chippendales-Abends lauten… Doch dieses von Ives Thuwis inszenierte Tanztheater versprach weit mehr, als nur tanzende Männer und verschaffte dem durchwegs beeindruckten Publikum einen Theaterabend der besonderen Art!

MÄNNER (c) junges theater basel

MÄNNER (c) junges theater basel

Prinzipiell bin ich – obwohl selbst Tänzerin – bei Tanztheatern eher skeptisch, da diese meist besonders abstrakt und somit für die ZuseherInnen häufig mehr oder weniger schwer zu verstehen sind. Dieser Abend versprach allerdings einen tiefen Einblick in die männliche Psyche und v.a. in männliche (Rollen-)Probleme: Wie wird man ein Mann? Was ist überhaupt ein Mann? Was muss ein Mann tun, um als Mann akeptiert zu werden? Solche und ähnliche Fragen wurden von den sieben Tänzern (junges theater basel) – die, wenn ich die wohl gängige weibliche Meinung des Publikums kundtun darf, durchaus auch als Augenschmaus zu bezeichnen sind – mit vollstem Körpereinsatz dargestellt und hinterfragt. Es wird getanzt, über Kleinigkeiten gestritten, gerauft und aufeinander eingeprügelt, ein wenig Krieg gespielt und mit Narben aus Kindheitstagen so lange geprahlt, bis alle vor lauter Eifer und ohne es wirklich zu realisieren, plötzlich halbnackt auf der Bühne stehen – doch egal. Es wird weitergetanzt, sich gegenseitig schikaniert, dann doch wieder unterstützt und das Ego aufgebaut. Auf einmal steht aber eine neue Frage im Raum: „He, Anton! Hast du ein Problem damit, wenn dir ein Mann sagt, dass du schön bist?“ Somit wäre auch der Bogen zur Homo- und Transsexualität gespannt – meine Hochachtung vor den Tänzern, die sogar mit Mega-High Heels eine beeindruckend gute Figur machen und sich somit bedeutend besser bewegen können, als so manche Frau!

Die Thematik war durchwegs ernst und dennoch schaffte es das Ensemble, eine Unmenge an Witz miteinzubinden und wahre Lachattacken im Publikum auszulösen. Sei es ein halbnackter rülpsender Mann, der sich auf den Boden wirft, um mit seinem Rücken Furzgeräusche zu erzeugen, oder sein Kollege, der als Superman verkleidet von den anderen durch den Raum „geflogen“ wird und dabei ruft: „Ich kann sein, was und wer ich will! … Oder wär ich nur gerne jemand, der ich nicht sein kann? … Kann ich nicht einfach sein, wer ich wirklich bin? … Das bin doch nicht ich…“

Amüsiert und gut gelaunt, aber dennoch nachdenklich gestimmt verlässt man die Probebühne. Der intensive Geruch von Männerschweiß bleibt einem noch in der Nase hängen – vielleicht auch nur deshalb, weil das Engagement und der Enthusiasmus der Tänzer so groß waren, dass man in der ersten Reihe hin und wieder tatsächlichen – meist jedoch ungewollten – Körperkontakt aufbauen konnte/musste/durfte…

Hätte ich die Chance, ich würde es mir noch einmal ansehen – leider war Männer aber nur ein einmaliges Gastspiel am Schauspielhaus Graz.

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