Im Prinzip kul, dieses Prinzip Coolness

Im Künstlerhaus KM – Halle für Kunst & Medien ist noch bis zum 20. November die Ausstellung ‚ordinary freaks. Das Prinzip Coolness in Popkultur, Theater und Museum‚ zu bestaunen. Was versteckt sich aber hinter dem Prinzip Coolness? Ist Coolness überhaupt ein Prinzip? Und was hat das Ganze mit Popkultur, Theater und Museum zu tun?

Darauf gibt die Ausstellung zwar keine eindeutige Antwort, allerdings finden sich in den medial sehr unterschiedlichen Werken – Bilder, Videoinstallationen, Skizzen, Fotografien u.a. – verschiedene Assoziationen zum Thema, über einiges, was man zu sehen bekommt, kann man länger nachdenken, anderes bleibt eher in flüchtiger Erinnerung.

Die Ausstellungsobjekte verknüpfen verschiedene Medien miteinander, etwa Kim Gordons Bilder, in denen Musik auf Leinwand trifft: Die Künstlerin hat die Bandnamen von Gitarren-Noise-Bands, die in den 1980er und 1990er Jahren in New York auftraten, mit schwarzer Acrylfarbe visuell umgesetzt, was durchaus kul wirkt. So springen einem die Namen NOISE NOMADS oder DUDE WAR förmlich entgegen, gerade so als würden die Bandnamen alleine schon noise produzieren.

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(c) Markus Krottendorfer

Etwas mehr Zeit ist nötig, um sich den Beitrag von Ian Svenonius anzusehen – der Film WHAT IS A GROUP?, indem sich zwei Aliens von einem UFO aus die Produktion eines Songs durch eine Band auf der Erde ansehen, dauert insgesamt über eine halbe Stunde. Abgesehen von der etwas psychedelischen, schrägen Hintergrundmusik, ist der Film durchaus amüsant: Szenen im Musikstudio, indem die Band den Song Free will mit dem einleuchtenden Chorus I don’t believe in free will aufnimmt, wechseln sich ab mit Szenen aus dem Raumschiff, wo Alien A in der Funktion einer Lehrperson Alien B, dem Studierenden, erklärt, dass die Erde sich gut als Untersuchungsobjekt eigne, um die Barbarei des Kapitalismus aufzuzeigen, die die Aliens schon vor tausenden Jahren überwunden haben. Daneben werden zeitgeschichtliche Bilder eingeblendet. ‚Warum nehmen die Bands überhaupt Platten auf und spielen nicht einfach ihre Songs?‘ fragt Alien B schlussendlich. ‚Weil auf der Erde, im Kapitalismus, das Objekt Macht über das Individuum hat‘, antwortet Alien A sinngemäß. Aliens meets Kapitalismuskritik. Sehr kul.

Gegenüber der Videoinstallation findet sich treffenderweise das Ausstellungsobjekt untitled von Christian Egger: eine Kombination aus Klorollenhalter und dem Speichermedium CD. Anstelle von Klopapier sind CDs auf dem Halter platziert – dadurch wird ein unsichtbarer Keil zwischen die Form und die eigentliche Funktion getrieben, steht dazu philosophisch im Ausstellungsprogramm geschrieben. Vielleicht zeigt es uns aber auch einfach, wie vergänglich und wie wenig Wert CDs im Gegensatz zur Musik haben?

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(c) Markus Krottendorfer

Spannend ist auch, was sich auf der Metaebene an den Ausstellungsobjekten zeigt: Was in unserer Gesellschaft als tabu empfunden wird, und was nicht, lässt sich anhand der Präsentation zweier Videoinstallationen ablesen: Während das Video Work No. 600 von Martin Creed, in dem man jemanden sich die Hosen runterziehen und scheißen sieht, in einem gesonderten Raum zu sehen und mit der Warnung versehen ist, dass der Film Gefühle verletzen könnte, findet sich im Hauptraum der Kurzfilm Quiet Lives von Eugene Doyen, ohne Triggerwarnung, obwohl in diesem die gewalttätige Beziehung der Moor-Mörder, Ian Brady und Myra Hindley, thematisiert wird. Gewalt gegenüber Frauen ist (in den Medien) etwas Alltägliches, während natürliche Körperprozesse etwas Tabuisiertes darstellt. Kuler wäre gewesen, das in der Repräsentation der Ausstellung umzudrehen.

Im Untergeschoss befindet sich die, eine futuristische und kule Atmosphäre zaubernde Bühne, die von Studierenden des Institutes für Grundlagen der Konstruktion und Entwerfen, TU Graz, entworfen wurde. Auf dieser fanden während des Ausstellungszeitraumes im Rahmen der GIG Nights Konzerte statt.

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(c) Liawriting

Eine Möglichkeit gibt es noch, in den Genuss einer Live-Show im Künstlerhaus zu kommen: Am 20. November ab 20 Uhr ist nochmals zum Abschluss der Ausstellung eine GIG Night im Untergeschoss, wo das Bandprojekt The first word + von Stefan Geissler und Christian Egger pop-avantgardistische Coolness umsetzen wird.

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Ein Kommentar zu “Im Prinzip kul, dieses Prinzip Coolness

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