Münchner Gipfel: Tu quel ritegno or togli che dubitar mi fa!

Zwei Komponisten standen beim Münchner Gipfel im Zentrum: Mozart und Richard Strauss. Lediglich die Pause trennte als Zäsur die ausgewählten Werke der beiden, was, wie ich vor Beginn der Aufführung spekulierte, das Verbindende und das Trennende spürbar machen sollte. Die Auswahl schien mir, nachdem ich die mir zuvor unbekannten Werke Strauss‘ gehört hatte, nicht ganz optimal zu sein, was aber einem erfreuten Gesamteindruck der Darbietung nicht bedeutend schadete.

Der Abend begann mit Mozarts Prager Symphonie (KV 504), deren 1. Satz sogleich das Gefühl des Zuhörers für hohe Empfindsamkeit zu öffnen vermochte, gleichzeitig aber auch die Erwartungshaltung für den weiteren Verlauf auf ein schwer zu haltendes Niveau brachte. Die sich anschließende Konzertarie Vado, ma dove? Oh Dei (KV 583), die die anmutige Sarah Wegener pathetisch vortrug, komplettierte eine erste Konzerthälfte, die mich unerwartet stark zu fesseln vermochte. Die angenehm zu wirken beginnende Heiterkeit, die durch den Hörgenuss entstanden war, sollte sich bei mir jedoch nicht ungebrochen nach der Pause fortsetzen.

Richard Strauss (c) styriarte

Richard Strauss (c) styriarte

Der Kontrast der zweiten Hälfte der Vorführung zu eben Gehörtem war offenkundig und machte es etwas schwierig, bei nach der Pause einsetzenden, etwas konträr anmutenden Empfindungen nicht gedanklich abzuschweifen. Die recht einfach gehaltene Serenade Richard Strauss‘ (op. 7) wirkte auf mich etwas banal und phantasielos, was entgegen des ursprünglichen Gedankens, Mozart und Strauss an jenem Abend zusammenfinden zu lassen, ein – bildhaft gesprochen –  zweites Gehör notwendig zu machen schien.

Die das Konzert abschließenden Vier letzten Lieder holten schließlich die inzwischen etwas verwunderte Gefühlswelt in gerade noch verlassene Bahnen zurück. Insbesondere die beiden letzten Lieder, Beim Schlafengehen und Im Abendrot ermöglichten es mir, den Saal verzaubert und etwas entrückt zu verlassen. Sarah Wegeners herrliche Stimme ließ jegliche Gefahr, beim Hören der Hesse- und Eichendorff-Lieder gedanklich abzuschweifen, in einer wohltuenden Erhabenheit zerbrechen. Die wundervolle Darbietung machte es mir unmöglich, die Texte der mir nur zum Teil bekannten Gedichte mitzulesen, da ich das Gefühl hatte, nicht verstehen zu müssen, was gesungen wurde. Denn Sarah Wegeners ergreifender Blick, ihr Gesang und die Musik reichten aus, um zu verstehen, was keines sprachlichen Verständnisses mehr bedurfte.

Das Konzert war zu Ende und ich behielt all jenes schwelgend im Fokus meiner Gedanken, was mir am meisten gegeben zu haben schien: den Beginn und den Abschluss der Vorführung – und das ewiglich sehnsüchtige O weiter, stiller Friede!

Weitere Konzerttermine im Rahmen der Styriarte findet man unter:

http://styriarte.com/recreation/

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