„Und dann kam Gott…

…in Form von zwei Bauarbeitern“, die den toten N. im Wald aufgefunden haben. Doch wer hat den Schüler getötet? Um diese Frage dreht sich das Stück Jugend ohne Gott und gleichzeitigen Klassiker Ödön von Horváths.


Matthias Ohner (c) Lupi Spuma


Doch alles beginnt ganz harmlos: Der Lehrer kommt ins Klassenzimmer und projiziert Bilder mit Hilfe eines Beamers an die Tafel. Es werden Fotos von Graz gezeigt, die vermutlich die Aktualität der Geschichte, die um den zweiten Weltkrieg spielt, zu heute zeigen sollen.

Routiniert beginnt er die Arbeiten seiner Schüler zu korrigieren. Als er die Hefte durchsieht, fällt ihm ein Aufsatz besonders ins Auge. Der Schüler N. schreibt: „Alle Neger sind hinterlistig, feig und faul “, damit beginnt die eigentliche Geschichte und auch die Vorlage Horváths. Als der Lehrer N. darauf anspricht, hetzt dieser die gesamte Klasse gegen den Lehrer auf. Dieser darf aber aufgrund des ihm wohlwollenden Direktors weiter unterrichten. Bald darauf stirbt der Schüler W. an einer schweren Krankheit. Die Zweifel des Lehrers an Gott werden immer stärker.

Die gesamte Klasse fährt in ein Zeltlager, in dem die Schüler eine militärische Ausbildung durch einen Feldwebel über sich ergehen lassen müssen. Alles verläuft ruhig, bis eines Tages ein Fotoapparat gestohlen wird. Als der Lehrer beobachtet, wie dem Schüler Z. in der Nacht ein Brief überreicht wird, gerät dieser in Verdacht, mit dem Diebstahl etwas zu tun zu haben. Der Lehrer durchsucht heimlich das Zimmer des Jungen und findet ein Tagebuch, in dem geschrieben steht, dass Z. ein Verhältnis mit einem fremden Mädchen hat. Da N. im selben Zimmer mit Z. schläft wird dieser beschuldigt, dessen Tagebuch gelesen zu haben. Einige Zeit später wird N. von einem Stein erschlagen im Wald aufgefunden.

Z. gesteht den Mord begangen zu haben. Doch seine Freundin Eva widerspricht und berichtet, einen fremden Jungen bei der Tat beobachtet zu haben.

Im Laufe des Prozesses und noch einigen Verwirrungen rund um den Täter, wird endlich T. als Mörder entlarvt.

Die gesamte Handlung findet im Klassenzimmer statt. Durch originelle gestalterische Mittel werden dennoch für das Publikum nachvollziehbare Ortswechsel vollzogen. Die Klassenreise wird anhand von an die Tafel projizierten Bildern dargestellt oder eine Prügelei unter den Schülern an die Tafel gezeichnet. Schießübungen werden an einer Figur aus Karton und einer Spielzeugpistole erprobt.

Die Vorstellung trägt den Untertitel Eine Rekonstruktion, außerdem handelt es sich um eine Koproduktion mit dem Vorstadttheater Graz. Matthias Ohners Leistung besteht darin, seinen Zuschauern kurzweilig die Geschichte Horvaths näherzubringen bzw. zu „rekonstruieren“. Als alleiniger Darsteller übernimmt er die Rollen aller Figuren im Stück. Er kommentiert, führt Dialoge mit sich selbst und findet dazwischen auch noch Zeit, das Publikum auf subtile Weise miteinzubeziehen und durch seinen Witz zum Schmunzeln zu bringen. Das Stück findet sein Ende mit dem Ausruf Ohners: „Jetzt könnt ihr das Licht aber ausmachen!“

Schauspielhaus Graz Website zum Stück

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