WILHELM TELL

Wilhelm Tell © Oper Graz

Wilhelm Tell © Oper Graz

Wie schon das Titelbild auf der Homepage der Oper Graz verrät, ist der Apfelschuss die zentrale Szene bei Wilhelm Tell.
Man sollte sich aber keinesfalls nur wegen dieses Höhepunktes auf das Stück freuen: die Inszenierung an sich ist großartig, um nicht zu sagen episch angelegt. Man kann sich keiner der drei ineinander verwobenen Geschichten entziehen:

    • Wilhelm Tell, der kämpferischer Rebell und gleichzeitig Familienmensch ist.
    • Die Liebesgeschichte zwischen Arnold Melchtal und der Habsburger Prinzessin Mathilde, die aufgrund ihrer Herkunft nicht zusammen sein können.
    • Die Fremdherrschaft der Habsburger über Uri, Schwyz und Unterwalden sowie die geheime Verschwörung der unterdrückten Bürger der Kantone gegen ihre Besetzer.

Allein über die Bühnentechnik und das Design könnte man mehrere Seiten schreiben. Da wird gedreht, versenkt, aus dem Boden empor gezaubert und sogar ein Graffiti aus Licht „gesprayt“.
An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, wie scheinbar mühelos es der Inszenierung gelingt, das klassische Drama in die Moderne zu portieren. So sind die aufrührerischen Schweizer, die sich gegen die österreichische Fremdherrschaft auflehnen in Kapuzenpullover im charakteristischen Design der Schweizerfahne gekleidet.

Alle Mitwirkenden – sei es auf der Bühne, sei es hinter der Bühne oder im Orchestergraben- arbeiten einzeln und zusammen so perfekt, dass man sich wie mitten im Geschehen fühlt und mit den Schweizern von Anfang bis zum Ende mitfiebert. (Ich persönlich war auch sehr von der „Helvetia“ beeindruckt, die wirklich über Stunden bewegungslos in der Mitte der Bühne ausharrt!)
Sowohl der namengebende Erzählstrang um Wilhelm Tell und seinen Sohn Jemmy zieht in den Bann, wie auch die Liebesgeschichte zwischen Arnold und Mathilde und natürlich der im Geheimen geplante Aufstand der unterdrückten Schweizer gegen den Landvogt Gessler.

"Die Freiheit der Schweiz" ; (c) Werner Kmetitsch

„Die Freiheit der Schweiz“ (c) Werner Kmetitsch

Wilhelm Tell war von Gioachino Rossini als seine letzte Oper geplant – fulminant sollte sie sein, Kritiker und Publikum begeistern. Die Presse war bei der Uraufführung in Paris 1829 beeindruckt – und auch heute noch funktioniert das Stück, wie der endlos scheinende Applaus am Ende beweist.

Arnold und Mathilde ; (c) Werner Kmetitsch

Arnold und Mathilde (c) Werner Kmetitsch

Glücklicherweise geht es zurzeit in Mitteleuropa recht friedlich zu; trotzdem bleibt das Grundthema aktuell: Wie geht man mit Macht um? Inwieweit darf man sich über bestehende Gesetze hinweg setzen? Steht man für seine Ideale ein – und wenn ja, bis zu welcher Grenze?

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