Tosca – Künstlerin und Mörderin

Mit Puccinis meistgespielter Oper zeigt sich in Graz eine wunderschön klassische Aufführung der dramatischen Liebes-Kriminalgeschichte von 1800.

Tosca und Cavaradossi ; (c) Werner Kmetitsch

Tosca und Cavaradossi (c) Werner Kmetitsch

Italien, ein Künstler, eine schöne Frau, ein Bösewicht und drei Todesfälle. Giacomo Puccini wusste schon, warum er sich gerade Victorien Sardous Drama für seine dritte Bühnenvertonung aussuchte. Eine Ouvertüre aussparend beginnt der erste Akt medias in res und sorgt für eine Intensität, die sich in den folgenden zwei Stunden keinen Moment verlieren wird. Die Musik scheint die besondere Charakteristik jeder Szene hervorzuheben und verbindet gleichzeitig alles durch immer wiederkehrende Motive zu einem großen Ganzen. Der Kontrast zwischen tosendem Orchesterklang und acapella-Passagen der Sänger beschert den Ohren einen vielseitigen Genuss.

Visuell hat die Inszenierung einiges zu bieten. Schon im ersten Bild, der Kirche Sant’Andrea della Valle, wird man sofort in eine andere Zeit versetzt. Der von Gold dominierte Hintergrund hüllt die Szenerie ein, ohne sie zu verschlucken und lässt die gut eingesetzten Farbakzente (vor allem Toscas traumhafte Roben) noch stärker wirken. Der zweite Akt spielt in Scarpias Arbeitszimmer, das mit seiner Enge gut die Bedrohlichkeit der Situation widerspiegelt. Nach dem Tod des Polizisten öffnet sich der Raum und führt zurück zum Ausgangspunkt, der zuerst Ort der Wiedervereinigung des Liebespaares und später Schauplatz des Untergangs wird. Noch während des vermeintlichen Glücks wird im Hintergrund Toscas Fall gezeigt, der als drohendes Omen das unglückselige Ende der Titelheldin ankündigt. Einzig schade ist, dass Toscas Selbstmord von der Engelsburg auf den Schreibtisch verlegt wurde, worunter die Tragik der Szene sehr zu leiden hatte.

Tosca ersticht Scarpia ; (c) Werner Kmetitsch

Tosca ersticht Scarpia (c) Werner Kmetitsch

Gesanglich musste das Publikum gleich zu Beginn eine Änderung verkraften: der vielgelobte Tenor Demos Flemotomos musste krankheitsbedingt seinen Auftritt als Mario Cavaradossi absagen. Als Vertretung fungierte der extra eingeflogene Zurab Zurabishvili, der im ersten Akt scheinbar noch ein bisschen Zeit brauchte, um seine Stimmbänder aufzuwärmen. Bis zum Schluss steigerte er sich aber immer weiter, bis er bei der berühmten Arie E lucevan le stelle mit seinen letzten Worten die ganze Liebe und Verzweiflung seiner Rolle zum Ausdruck brachte:

Die Stunde ist vorbei und ich sterbe verzweifelt!
Und hab das Leben niemals so sehr geliebt!

Seine Partnerin Andrea Danková bescherte eine aufbrausende und temperamentvolle Tosca, wobei sie das Einfühlsame an den lyrischen Stellen ein wenig vermissen lässt. Herausragend verkörperte James Rutherford den düsteren Polizeichef Scarpia, indem er gleich mit dem ersten angestimmten Ton die ganze Szene erzittern ließ.

Ist das Drama um die große Sängerin Tosca doch praktisch zur Gänze erfunden, so berührt ihre Geschichte doch seit über hundert Jahren die Herzen ihrer Besucher, als wäre sie tatsächlich passiert. Die liebende Frau, die aus Verzweiflung und doch mit Bestimmtheit ihren Erpresser ersticht, und den letzten Funken Hoffnung mit dem Tod ihres Geliebten verliert, findet ihre Erlösung nur im Sprung in die Tiefe. Die Frage nach der Freiheit im Freitod wird sich wohl auch noch in zukünftigen Generationen in den Gedanken der Zuschauer fortsetzen.

Informationen und weitere Termine der Oper unter:
http://www.oper-graz.com/stueck.php?id=20833&cat=&type=
Trailer:

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