Tatort „Tosca“: Vom Tode geküsst…

Einen Monat nach der Premiere an der Oper Graz ist Tosca nach wie vor beinahe ausverkauft – Revue eines Abends voller Spannung und Dramatik.

Schauplatz Rom. Die attraktive junge Sängerin Floria Tosca ist der Inbegriff der selbstbewussten Frau. Sie ist stark, temperamentvoll und sie weiß, was sie will – nämlich ihren Geliebten, Mario Cavaradossi. Dieser steht aber unter Verdacht, einem Revolutionär bei der Flucht geholfen zu haben und wird daher von der päpstlichen Polizei, unter Leitung des brutalen Scarpia, verhaftet. Nach erfolglosen Folterversuchen wird Cavaradossi schließlich zum Tode verurteilt. Tosca fleht Scarpia an, er wolle ihren Geliebten verschonen. Dieser willigt unter der Bedingung ein, dass sie sich ihm hingebe. Doch Tosca ist listiger, als Scarpia denkt. Mit dem versprochenen Freibrief in der Hand „küsst“ sie ihn auf ihre tödliche Weise. Aber auch sie wurde von Scarpia hinters Licht geführt und die Liebenden finden somit nur vermeintlich zueinander…

Tosca 1

(c) Werner Kmetitsch

Insgesamt ist die Inszenierung von Alexander Schulin sehr gelungen. Ort des Geschehens ist zunächst das Innere einer römischen Kirche, die effektvoll düster gestaltet wurde. Im zweiten Akt lässt das Bühnenbild hingegen etwas zu wünschen übrig. Scarpias Büro, in dem der wortwörtlich tödliche Kuss erteilt wird, gleicht in seiner extremen Einfachheit eher dem anonymen Mönchskämmerlein eines Eremitenklosters, als dem Arbeitszimmer eines römischen Polizeikommandanten. Schließlich befindet sich dieses im prunkvollen Palazzo Farnese (Anm.: eine historischen Sehenswürdigkeit in Rom).

Dieses Manko in der bildnerischen Gestaltung machten die hervorragenden DarstellerInnen jedoch wieder wett – allen voran Andrea Dankova als feurige Tosca. Sie interpretierte die Rolle mit ausreichend südländischem Furore, wobei ihr stellenweise eine gewisse Monotonie anzulasten war. Die eigentliche Besetzung der tenorischen Hauptrolle Demos Flemotomos – der seit der Premiere das Grazer Publikum begeisterte – musste bei dieser Aufführung krankheitsbedingt ausfallen. Der extra aus Georgien eingeflogene Ersatztenor meisterte aber bravourös seinen Part und konnte die Gunst der Zuschauer auf Anhieb für sich gewinnen.

Tosca 2

(c) Werner Kmetitsch

Besonders hervorzuheben sind des Weiteren die realitätsgetreuen Kostüme. Hier wurde sehr exakt und detailgenau gearbeitet. Ebenso wurden Lichteffekte gekonnt eingesetzt, indem mit Schatten und Farben gespielt wurde. Ab der zweiten Hälfte des zweiten Aktes sorgten mythisch angehauchte Bilder und Animationen, die auf die hintere Bühnenwand projiziert wurden, für eine besondere Atmosphäre.

Über weite Strecken werden in Tosca laute Töne angeschlagen. So beginnt der erste Akt etwa mit pompösen Orchestereinsätzen. Im Kontrast dazu steht das laufend wiederkehrende, zart-nostalgische Leitmotiv, das vornehmlich von der Klarinette ausgeführt wird. Die Romanze Lucevan le stelle wurde hingegen eher sachlich-nüchtern gesungen, ohne Schmalz oder emotionsgeladenen Pathos.

Mit Tosca schuf Giacomo Puccini ein dramatisches Meisterwerk voller Überraschungsmomente und Intrigen. Die Geschichte hat aber einen starken historisch-politischen Hintergrund und ist im Kontext der Aufstände zu betrachten, die sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts der autoritären Herrschaft des Papstes widersetzten. In diesem Sinne ist Tosca nicht nur für musikalisch affine Opernbesucher absolut sehenswert.

Weitere Informationen und die Termine der nächten Vorstellungen sind auf der Internetseite der Oper Graz zu finden.

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