MOTEL – Was für ein Theater im Schauspielhaus

vom Sinn zum Irrsinn

Das Stück beginnt, der Vorhang bleibt geschlossen, keine Schauspieler und trotzdem wird das Publikum bereits gut unterhalten. Das erste Bühnenbild (mit Schauspieler), ich muss lachen und meine Vorfreude auf das folgende Stück steigt.

Am Beginn des Stückes scheint die Handlung einem „logischen“ bzw. sinnvollen Aufbau zu folgen, wobei bereits einzelne Elemente für die ZuschauerInnen nicht mehr ganz nachvollziehbar erscheinen. In dem Glauben und der Hoffnung, es wird später dafür eine logische Erklärung geben, akzeptiert man diese wundersamen Elemente. Im Laufe des Stückes schwindet jedoch der logisch nachvollziehbare Aufbau zunehmend und die skurrilen Ereignisse nehmen überhand, bis man sich schlussendlich in einem Sumpf von Irrsinn wiederfindet. Mögliche Rettungsanker für die ZuschauerInnen, der die wundersamen Ereignisse erklärt, könnte das missglückte Experiment der verrückten Forscher sein. Doch bis zum Ende dieses Stückes versinkt auch dieser Anker im irrsinnigen Sumpf.

Am Ende (nach ca. 2.5 Stunden) habe ich alles Geglaubte über das Theater hinter mir gelassen und war mir nicht einmal mehr sicher, ob die Verbeugung der SchauspielerInnen wirklich das Ende des Stückes bedeutet. Abgesehen von der „Handlung“ dieses Stückes fand ich das Bühnenbild und die Inszenierung der einzelnen Szenen sehr gelungen. Die hervorragenden SchauspielerInnen wurden von einzelnen Soundeffekten und Musikeinspielungen wunderbar unterstützt.

Meine Reaktionen auf dieses beeindruckende, phantasievolle, provokative, verrückte, herausfordernde, spannende, utopische, lustige Stück können vielfältiger nicht sein. Die Gefühle reichen von Abneigung, Verunsicherung, Aufregung, Resignation bis hin zu Staunen, Belustigung und Freude. (Bei jenen ZuschauerInnen, die das Theater vorzeitig verließen überwogen wohl eher die negativen Gefühlsempfindungen.)

(C) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Dies ist kein Stück mit einem vorgefertigten Rahmen, das passiv konsumiert werden kann, sondern darüber hinaus von einem Selbst mitgestaltet werden sollte. Lässt man sich auf diese Stück ein, dann bietet es in seinem Irrsinn unglaublich viel Raum für eigene Interpretationen und Erkenntnisse. Erkenntnisse waren für mich zum einen, dass die Wirklichkeit eines Autors mit seiner Geschichte verschmelzen kann und keine klaren Grenzen mehr erkennbar sind – Im übertragenen Sinne, können die erschaffenen Charaktere ihren eigenen Schöpfer umbringen. Oder, dass wir oft versuchen einen Sinn zu finden, wo es gar keinen gibt.

Schlussendlich stellte sich für mich die Frage: Welchen Sinn soll ein Theater erfüllen?

Für mich ist der Sinn eines Theaters zu unterhalten. Was jeder einzelne als Unterhaltung verstehen mag, muss jeder selbst für sich herausfinden. Ich kann sagen, dass trotz der anscheinenden Sinnlosigkeit, dieses Stück seinen Sinn erfüllte und mich an diesem Abend wunderbar unterhalten hat.

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