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Von Betroffenheit und Satire. Eine Meinung zur Politsatire Die Anstalt vom 18.11.2014

Es ist nur Satire. Immer bedenken: Es ist nur Satire. Nur Satire! Ich schaue „Die Anstalt“ bzw. früher „Neues aus der Anstalt“ schon seit geraumer Zeit. Und jedes Mal trifft mich der schwarze Humor (bis es etwas dunkleres gibt) sowie er mich gleichsam erheitert. Es gibt ganz offensichtlich Menschen, die die Verlogenheit unserer Gesellschaft ähnlich betrachten wie ich es tue. Und doch war bei der Novemberausgabe der Anstalt einiges anders. Die Perversion der Drittstaatenregelung war bekannt und erschüttert jedes Mal auf ein Neues. Im Kontext dazu musste ich auch an das Interview mit Johann Gudenus im Standard vom Wochenende denken, das mir wieder einmal gezeigt hat, dass ein Studienabschluss selbstverständlich nicht davor bewahrt, dass Menschen sozial inkompetente Vollarschlöcher sein können.

Eigentlich bin ich begeisterter Europäer. Muss ich auch sein. Die Europäische Union eröffnet mir schließlich die Möglichkeit, unter den gleichen Bedingungen in Österreich studieren zu können, wie es Österreicher auch tun können. Aber wenn man dann wieder sieht, dass allein der Wanderzirkus zwischen Brüssel und Strasbourg gleich viel Geld verschlingt wie das inzwischen eingestellte Mare Nostrum-Programm der italienischen Regierung, dann schwillt auch mir der Kamm. Die anvisierten Kosten für Frontex und Triton sowie die Feierlichkeiten zum Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhanges – zwei Beispiele für die schier unglaubliche Doppelmoral einer Gesellschaft, deren Teil auch ich bin. Und dieser geistige Dünnpfiff wird dazu noch durch die Nobelkommission als besonderer Dienst am Weltfrieden anerkannt. Was stimmt mit dieser Menschheit nicht? Wir lassen Menschen ersaufen, um unseren eigenen Status zu wahren oder auszubauen. Doch dieser Status ist allerhöchstens materieller Art.

Ich habe wirklich einen dreckigen zynischen Humor. Und ich werde mir von Folge zu Folge klarer, dass die Anstalt die wichtigste Sendung in der deutschsprachigen TV-Landschaft sein muss. Nirgendwo sonst wird einem so schonungslos der Spiegel vorgehalten. Nein. Es ist nicht bloß Satire.

Die Anstalt vom 18. November 2014 gibt es zum Nachsehen in der zdf.mediathek

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