Xerxes – ein deftiger Abend mit Händel

Am 29. November feierte die Oper von Georg Friedrich Händel Premiere in Graz und zeigte damit seit langem ein Werk seiner Gattung aus dem Barock. Die Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin und der Deutschen Oper am Rhein bescherte ein nicht ganz jugendfreies Spektakel.

Stephanie Houtzeel (Xerxes) und Chor der Oper Graz ; (c) Karl Foster

Stephanie Houtzeel (Xerxes) und Chor der Oper Graz (c) Karl Foster

Als „sensationell sinnlos“ bezeichnet der musikalische Leiter der Produktion Konrad Junghänel den Inhalt der Xerxes, sodass es ohnehin nicht notwendig ist, den Inhalt und seine Charaktere zu verstehen. Zugegeben, nachvollziehbar sind die Handlungen in den gut drei Stunden nicht, aber der Inszenierung gelingt es, sie allemal unterhaltsam zu präsentieren. Schon der Beginn mit dem herrlich barocken Bühnenbild aus gemaltem Kitsch und der berühmtesten Arie des Werkes eröffnet das Werk für jeden einzelnen:

Never was a shade
of any plant
dearer and more lovely,
or more sweet

Die Liebe zu einer Platane zeigt die sanfte Seite des König Xerxes’ , die im Laufe des Stückes (leider) nicht wieder zum Vorschein kommt. Um das barocke Werk dem Publikum nahe zu bringen, wird die Handlung bis ins Extreme überspitzt. Vor allem deftige Witze kommen dabei nicht zu kurz, was zum einen vielen große Heiterkeit veschafft, zum anderen die wahren Liebhaber der Barockoper so manchen Nerv kostet.

Musikalisch erlebte man an diesem Abend so manch Ungewohntes. Das Grazer Philharmonische Orchester war um einige zeitgetreue Instrumente aufgestockt und präsentierte damit ein neues altes Klangbild. Interessant war auch die Tatsache, dass der Orchestergraben angehoben war und die sich abwechselnden Stimmen bei den ruhigeren Ariosi und Duetten somit deutlich hervorhoben. Die Orchesterführung schien nicht alle Geschmäcker zu treffen, was an den gemischten Reaktionen des Publikums deutlich zu erkennen war. Dies zu beurteilen, sei aber den Fachleuten überlassen.

Stephanie Houtzeel (Xerxes), Margareta Klobučar (Romilda), Dshamilja Kaiser (Arsamenes) ; (c) Karl Foster

Stephanie Houtzeel (Xerxes), Margareta Klobučar (Romilda), Dshamilja Kaiser (Arsamenes) (c) Karl Foster

Der Abend war ein großer für die Soprane der Grazer Oper. Allen voran überzeugte Stephanie Houtzeel in der Titelrolle als lüsterner König von Persien. Mit Gebärde und Auftreten einem gewissen Piraten sehr ähnelnd, karikierte sie die kindlichen Stimmungswandel des von Liebesverirrungen geplagten Königs. Gesanglich lag ihr sowohl das sinnliche „Ombra ma fui“ wie auch die große Furienarie vor der großen Versöhnung der Liebenden. Hier hatte das Publikum sogar die Gelegenheit, die Sängerin hautnah zu erleben, da der Spielraum bis in die ersten Zuschauerreihen erweitert wurde. Auch die anderen Frauen, Dshamilja Kaiser (als Bruder Arsamenes) und das Schwesternpaar Atalanta und Romilda, gesungen von Tatjana Miyus und Margareta Klobucar glänzten in ihren Rollendebuts. Bei den tieferen Stimmen fielen Altistin Xiaoyi Xu und der Bariton Hagen Matzeit mit ihren beeindruckenden Stimmumfängen auf. Letzterer schien in der Rolle als lustiger Diener Elviro etwas zu sehr aufzugehen, ist ein norddeutscher Dialekt in einer vorchristlichen Oper doch eher unpassend.

Die ganze Aufmachung der Oper überzeugt in Summe durch ihre Liebe zum Detail. Die klassischen Kostüme und das drehende, gehende, stehende Bühnenbild schaffen den perfekten Rahmen für das absurde Geschehen. Viele kleine Anspielungen des Librettos werden aufgegriffen und überbrücken die musikalisch kargen Passagen, so wird aus der „Frau wie ein Gewitter“ tatsächlich eine Frau im Gewitter. Trotz aller Übertreibungen driftet es nie ins Lächerliche ab, da jeder Akteur seine Rolle mit solcher Überzeugung vermittelt. Die Stimmung war dementsprechend heiter, der Applaus verdient großzügig.

Weitere Informationen und Termine der Oper unter:
http://www.oper-graz.com/stueck.php?id=20892

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s