Ein Böhme, ein Mähre und ein Wiener – ein grandioses Konzert

Die Zusammenstellung des Programms des 3. Kammerkonzerts des Musikvereins schien mir bereits auf dem Papier geglückt zu sein. Tatsächlich konnte die Kombination der geschickt gewählten Werke Smetanas, Janáčeks und Schuberts in jeder Hinsicht faszinieren. Für die musikalische Umsetzung stand das Pavel Haas Quartett zur Verfügung, das als notwendige Verstärkung für das Streichquintett auf den Violoncellisten Danjulo Ishizaka zurückgreifen konnte.

Pavel Haas Quartet (c) Marco Borggreve

Pavel Haas Quartet (c) Marco Borggreve

Das Konzert begann mit Bedřich Smetanas Streichquartett Nr. 2 in d-Moll, das ein zerrissenes und mitreißend leidenschaftliches, von Weltschmerz zersetztes Meisterwerk ist, das in seiner teilweise sprunghaften und gehetzten Schwermut von Anfang bis Ende am Empfinden des Zuhörers zog und zerrte. Besonders der 3. Satz (Allegro non piú moderato, ma agitato e con fuoco) lässt das Gefühl einer heiteren Beklommenheit aufkommen, die durch jenes zustandekommt, wozu möglicherweise nur Musik tauglich ist: nicht in Sprache auszudrückende, scheinbar widersprüchliche Empfindungen. Smetana, dem das Publikum diesen Hörgenuss verdankte, war es selbst übrigens nie vergönnt, das Konzert aufgrund vollständiger Taubheit zu hören.

Die darauffolgende Kreutzersonate Leos Janáčeks (Streichquartett Nr. 1), die sich auf Tolstois gleichnamige Novelle bezieht, sollte eigentlich die Liebe der Frau mit den Mitteln der Musik retten, schien mir aber eher ein verspieltes, innovatives Sammelsurium programmatischen Stils zu sein. Als emotional seichter Ausklang der 1. Konzerthälfte führte jenes interessante Stück in die Pause, in die ich einerseits zurück an Smetanas Streichquartett, andererseits aber bereits voller Vorfreude auf das nach der Pause kommende Streichquintett Schuberts wartete.

Zwei Monate vor seinem Tod komponierte Schubert jenes zu Lebzeiten nicht mehr aufgeführte Meisterstück, das für mich neben seiner Fantasie in C-Dur (D934) und dem Rondeau brillant in h-Moll (D895) zu seinen großartigsten kammermusikalischen Werken zählt. Die Herrlichkeit des rund 50 Minuten dauernden Stückes ist nicht in Worte zu fassen und erlaubt es mir nicht, eine adäquate Schilderung zu bringen. Es benötigt lediglich einen Zuhörer, der es wagt, sich auf jene schier unerträgliche Schönheit einzulassen. Am Ende des Konzerts wurde nach mehrfachen Verbeugungen eine kurze Zugabe (ein Auszug aus dem eben gehörten Scherzo Schuberts) gespielt, was meiner Ansicht nach unnötig und überflüssig war. Ein Meisterwerk so zu zerreißen, um nochmals das applaudierende Publikum zu unterhalten, scheint mir beinahe Hohn zu sein. Abgesehen davon war der Konzertabend durchwegs gelungen.

Weitere Konzerte und Informationen zum Musikverein unter:

http://musikverein-graz.at/konzerte.html

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