„Russische Weihnacht“ mit recreation

Drei mal hatten die Gäste der recreation-Reihe diese Woche die Gelegenheit, die von Rimski-Korsakow, Glière und Tschaikowski komponierte Festtagsstimmung zu erleben. Wegen eines krankheitsbedingten Ausfalls der argentinischen Dirigentin Alondra de la Parra wurde der Abend souverän von Andreas Stoehr geleitet.

Andreas Stoehr ; (c) styriarte

Andreas Stoehr (c) styriarte

Emmanuel Ceysson, Harfe

(c) styriarte

Die zwei ersten Werke des Abends waren nicht nur dem Großteil des Publikums unbekannt: auch der Dirigent selbst gab in der Einführung zum Konzert zu, bis vor einer Woche Die Nacht vor Weihnachten von Rimski-Korsakow und das Glière-Harfenkonzert nur vom Hörensagen her zu kennen. Ersteres der beiden erzählt die Geschichte eines Schmieds, der sich auf den Weg nach St. Petersburg macht, um dort die Pantöffelchen der Zarin Katharina zu beschaffen. Besonders bestechend sind die Mittelsätze des Werkes. Beim Tanz der Sterne wird man unweigerlich an einen winterlichen Nachtspaziergang erinnert, bei dem einem Sterne und Schneeflocken zart entgegen glitzern. Im Kontrast dazu steht die mächtige Polonaise, die die tosende Vorfreude auf das große Weihnachtsfest erklingen lässt.
Als nächstes betritt der blutjunge Emmanuel Ceysson die Bühne und bezaubert zuerst mit einem charmanten Lächeln, dann mit federleichter Spielweise auf seiner Harfe. Das Konzert von Glière drohte im zweiten Satz durch die ausgedehnten Pausen etwas auseinanderzufallen, im dritten Satz wurde die Linie dafür bis zum Ende schön durchgezogen. Dieser letzte Teil des Werkes ist es auch, der die Virtuosität und Freiheit für den Solisten bot, sodass man teilweise seinen flinken Händen mit den Augen nicht mehr folgen konnte. Die musikalisch gelungene Melange an Volkstänzen entführt schon mit den ersten Takten in ein weites, schwer duftendes Land. Zu erwähnen gilt auch die traumhafte zweite Zugabe des Franzosen: La fille aux cheveux de lin von Debussy, das besonders gut zum zarten Harfenklang passt.

Im zweiten Teil wurde eines der beliebtesten Werke der russischen Romantik gespielt: die Nussknacker-Suite von Piotr Iljitsch Tschaikowski. Hinter den fröhlichen, fast kindlichen Melodien verbirgt sich eine Geschichte von E.T.A. Hoffmann, die den Krieg zwischen Mäusen und Kinderspielzeug erzählt. Ein Krieg wohlgemerkt, aber wohl einer der lieblichsten, die je komponiert wurden. In diesem berühmten Werk jagt eine bekannte Melodie die andere: das leichte Thema der Miniatur-Overtüre schafft der russische Romantiker durch den Verzicht von Celli und Bässen. Für den weihnachtlichen Charakter sorgt das regelmäßige Erklingen der Triangel. Ab dem Marsch ist die Schlacht eröffnet, wobei der Kampfgeist beider Parteien noch optimistisch zu sein scheint. Es folgen allerlei exotische Tänze; zuerst der Arabische Tanz, würzig aromatisch wie Kaffee, dann der Chinesische mit der belebenden Wirkung von Tee. Beim Tanz der Rohrflöten fiel die von den Querflöten geführte Melodie leider zu abgehackt aus. Herrlich kitschig waren dafür wieder der Spanische und Russische Tanz, in denen der Kampf dann auch seinen Höhepunkt findet. Beim Blumenwalzer kommt es zu einem verträumten Schweben vor dem Pas de deux, das für einen Abgang mit Pauken und Trompeten sorgt. Das GROSSE ORCHESTER GRAZ zeigte sich an dem Abend mit Freude am festlichen Programm. Auch dem eingesprungenen Dirigenten konnte man sich immer mehr erwärmen, schaffte er es doch, das Orchester teilweise nur mit kleinen Schulterzuckern zu führen. Über die Musik von Tschaikowski meint der Österreicher: „Das ist Musik, die auf höchstem Niveau unterhalten will, was ja auch keine Schande ist!“.
Nach dem erfolgreichen Konzert bleibt nichts, als ihm zuzustimmen.

Weitere Informationen zu recreation:
http://styriarte.com/recreation/

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