Russische Weihnacht

Im Rahmen der Konzertreihe recreation fand in der letzten Woche vor Weihnachten dreimal der Konzertabend Russische Weihnacht statt, den ich, um bereits an dieser Stelle eine Stellungnahme abzugeben, vermutlich mit anderer Begleitung ein zweites Mal besucht hätte, hätte ich nicht den bereits letzten Termin besucht. Denn als unterhaltsame Zurschaustellung russischer Klassik vermochte der Abend wohl auch weniger in Klassischer Musik bewanderte Zuhörer zu begeistern. Da die Dirigentin Alondra de la Parra krankheitsbedingt ausfiel, leitete der Wiener Andreas Stoehr das Orchester.

Der Abend begann mit Rimski-Korsakows Suite Die Nacht vor Weihnachten, in der die Schlüsselszenen der Oper zusammengefasst werden. Dem Stück gelang es sogleich, das Gefühl des Zuhörers in weihnachtliche Bahnen zu lenken, auch wenn man möglicherweise zuvor mit Gefühl und Kopf ganz woanders war. Die wundervolle Komposition war eine optimale Wahl zur Einstimmung für jenes, was noch kam und konnte auch als eigenständige Komposition überzeugen.

Emmanuel Ceysson; (c) styriarte

Emmanuel Ceysson (c) styriarte

Im Anschluss wurde das recht unbekannte Harfenkonzert (op. 74) des sachsenstämmigen Ukrainers Reinhold Glière aufgeführt, das nicht nur deshalb das Kernstück des Abends bildete, weil die faszinierenden Fähigkeiten und die sichtbare Leidenschaft des Harfenspielers Emmanuel Ceysson zur Schau gestellt wurde, sondern weil jenes Harfenkonzert für mich persönlich zu den schönsten russischen Werken des letzten Jahrhunderts zählt. Spätestens im Laufe des 2. Satzes (Tema con variazioni: Andante) verliert man sich in der mystischen Welt verzaubernder Klänge und fühlt sich der Welt, wie sie als nüchterne Tatsache existiert, enthoben. Der 3. Satz (Allegro giocoso) überbot schließlich in seiner tieftraurig und zugleich beflügelnden und erhebenden Schönheit alles bisher gehörte und hinterließ ein wundervolles Gefühl für die daraufhin beginnende Pause, die jedoch aufgrund zweier Zugaben des Harfenisten zunächst noch etwas hinausgeschoben wurde. Dem allgemein enthusiastischen Applaus des Publikums durfte ich mich begeistert anschließen.

Nach der Pause folgte der wohl bekannteste Teil des Konzertabends: Tschaikowskis allseits bekannte Nussknacker-Suite. Zur großen Freude vieler Zuhörer reihten sich populäre und kurzweilige Melodien aneinander (erwähnenswert der bekannte Russische Tanz und der durch die Celesta geprägte Tanz der Zuckerfee), bis schließlich Blumenwalzer und Pas de Deux die Suite pathetisch beendeten. Nur der Schlusswalzer, der nicht gespielt wurde, fehlte mir zu einem optimalen Abschluss des Abends.

Weitere Informationen zu recreation:

http://styriarte.com/recreation/

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