Rinderseuche im Zeichen der Liebe

Benjamin Lee Baumgartner reist nach London und verliebt sich in die Verkäuferin einer Fastfoodkette. Beim Versuch diese anzusprechen bestellt er sich – obwohl Vegetarier – einen Burger und erkrankt prompt an BSE. Derselbe fliegt nach Peking und fängt sich den Vogelgrippeerreger ein. Beide Male hat er ein kurzes Techtelmechtel, wobei aus einem sogar ein Kind hervorgeht. Nicht zu vergessen ist die brave Gattin, die zu Hause auf ihn wartet. Es handelt sich hierbei aber nicht um einen von Fernweh geplagten Ehebrecher, sondern um die verzweifelten Versuche, endlich seinen Vater – der ein Indianer sein soll – kennenzulernen. Im Laufe der Geschichte stellt sich aber heraus, dass seine Hippie-Mutter Benjamin mit einem französischen Straßenmusiker gezeugt hat und dieser eigentlich den Namen Lee Ben in der Taufurkunde stehen hat.

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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Zusätzlich taucht immer wieder ein auktorialer Erzähler auf, der Benjamin in deren gemeinsamer Studienzeit kennengelernt haben soll. Dieser ist Autor und begleitet die Vorstellung als Ich-Erzähler.

Die Darsteller Jan Gerrit Brüggemann und Marc Fischer tauschen immer wieder die Rollen, wodurch die Szenenwechsel klarer strukturiert werden. Interessant ist das Gespräch mit der Mutter, in dem diese nur die Lippen bewegt und Evi Kehrstephan ihr die dialektal gefärbte Stimme leiht. Seyneb Saleh spielt gleichzeitig die Burgerverkäuferin, als auch deren Tochter, die sie bei ihrem Abenteuer mit Benjamin Lee gezeugt hat. Die Rolle seiner Ehefrau – auch „Die Baum“ genannt – wird von Steffi Krautz übernommen, wobei diese auch Benjamins Mutter darstellt.

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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

 

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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Das interaktive Bühnenbild besticht vor allem durch Bilder und Videos, die auf Netze projiziert werden. Je nach Szene helfen diese dem Zuschauer die Handlung besser nachzuvollziehen, wie etwa bei den immer wieder vorkommenden Zeitsprüngen. Auch Schriftliches erfährt eine bildliche Darstellung; als Beispiel wäre hier die Szene zu nennen, in der die Gattin die Aufzeichnungen über die gemeinsam verlebte Liebesnacht mit der Burgerverkäuferin findet, wobei auch eine Rückblende in die Vergangenheit stattfindet. Ansonsten werden Requisiten eher spärlich eingesetzt – nur ab und zu finden zwei Sessel ihren Platz auf der Bühne -, mehr ist neben den Foto- und Videoprojektionen aber auch nicht nötig.

Die Inszenierung der Romanvorlage Verteidigung der Missionarsstellung von Wolf Haas war an diesem Tag ausverkauft und verhalf den Zusehern zu einem spannenden und heiteren Abend, der absolut empfehlenswert ist.

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