Verteidigung der Missionarsstellung

Wolf Haas und Benjamin Lee Baumgartner sind Freunde. Getroffen haben sie sich das erste Mal während des Studiums in Salzburg. Dort waren sie Zimmernachbarn und Haas kannte anfänglich nur die Stimmen von Benjamin Lee und seiner Zimmergenossin/Zukünftigen, die sich miteinander stundenlang etwas zu laut vergnügten. Trotz der Beziehung zu seiner Lebensgefährtin, „die Baum“ genannt, verliebt er sich in andere Frauen, und zwar immer dann, wenn eine Pandemie die Welt bedroht. Das erste Mal 1988 in London, als die Rinderseuche ausbricht, das zweite Mal 2006 in China, wo er sich die Vogelgrippe einfängt. Seine Erfahrungen erzählt er seinem Freund Haas, der diese wiederum zu einem Buch verarbeitet. Dass seine Affären dadurch irgendwann ans Licht kommen könnten, daran denkt der blauäugige Benjamin Lee nicht. Viel mehr ist er mit der Suche nach seinen Wurzeln beschäftigt. Immerhin war sein Vater Indianer, der kurz nach seiner Geburt starb. Glaubt Benjamin Lee Baumgartner jedenfalls.

Susanne Lietzow bringt Wolf Haas‘ Bestseller Verteidigung der Missionarsstellung mit sehr viel Charme und Witz auf die Bühne. Sie hält sich dabei relativ genau an die Buchvorlage. Der Text ist dieser teilweise eins zu eins entnommen, was schön ist, denn so geht der Haas’sche Wortwitz nicht verloren.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Die Bühne ist durch eine semitransparente Leinwand zweigeteilt, auf die u.a. Videos von London und China projiziert werden. Die Leinwand spielt eine zentrale Rolle, denn sie schafft es auf eine schöne Art, ohne massenweiße Requisiten den vielen Orts-und Zeitwechseln der Geschichte gerecht zu werden. Sie nimmt uns auf Benjamin Lee’s Reisen mit, zeigt uns Haas‘ Autounfall und dessen „Zigeuner“-Vater, enthüllt aber auch die Liebesnacht zwischen Benjamin Lee und seiner China-Liebe, die im Buch durch chinesische Schriftzeichen verschlüsselt bleibt (außer natürlich jenen, die der chinesischen Sprache mächtig sind – ich zähle mich leider nicht dazu).

Ein bisschen verwirrend wird es, wenn die SchauspielerInnen, die allesamt überzeugend spielen, abwechselnd den Part des Erzählers/Wolf Haas übernehmen. Das erfordert viel Aufmerksamkeit, bringt aber auch Abwechslung ins Stück und macht es sehr kurzweilig.

Alles in allem ist Verteidigung der Missionarsstellung eine gelungene Adaption des Bestsellers und auch zweifelsohne für Nicht-Haas-Fans eine großartige Darbietung.

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