„Interview mit einer Barbie-Puppe“,

denkt sich Pierre, als er sich auf den Weg zu Katja macht. Die Schauspielerin entspricht so überhaupt nicht seinen Vorstellungen einer ebenbürtigen Gesprächspartnerin. Der Journalist beschäftigt sich beruflich nämlich ausschließlich mit politischen Themen. Katja jedoch belehrt ihn eines Besseren und entlockt ihm sogar seine abgrundtiefsten Geheimnisse. Seine Tochter stirbt, als er gerade einen beruflichen Aufenthalt in Afghanistan verbringt. Die alkoholisierte Ehefrau verursacht währenddessen einen Autounfall, bei dem das Kind ums Leben kommt. Als er wieder zu Hause angekommen ist, trifft er seine Frau an der Flasche hängend in der gemeinsamen Küche. In einer Affekthandlung fährt er mit ihr zu einem Teich und versenkt das Auto darin. Seine Frau ertrinkt, er kommt ungeschoren davon. Nach dieser Beichte, weiß er noch nicht, dass Katjas Geheimnis an einer Krebserkrankung zu leiden, nur erlogen ist. Betroffen diese Lüge bereits seinem Kollegen in der Redaktion mitgeteilt zu haben endet die Vorstellung. Das dumme Blondchen ist anscheinend doch nicht das, was man sich von einer Darstellerin flacher Filme erwartet.

Die Protagonisten Philine Bührer, als Katja, und Florian Köhler, Pierre, liefern sich schlagfertige Dialoge auf der Ebene 3. Wenn der eine denkt, die Oberhand zu gewinnen, kontert der andere blitzschnell. Der abgebrühte Polit-Journalist geht als Überlegener ins Rennen, gleichzeitig merkt er nicht, dass das Filmsternchen ihn bereits hinters Licht geführt hat.


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(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz


Vergleiche zwischen Katjas operiertem Busen und Silikonvalley bringen den nötigen Witz ins Spiel. Bei den Diskussionen über die vorurteilsbehaftete Welt der Filmindustrie ist von Schönheitsoperationen, Drogen und vermeintlichen Liebschaften die Rede. Auch die Medienkritik an den Journalismus und die damit verbundene Klatschpresse spielt eine Rolle.

Die Bühne dient als Ort des Streitgesprächs, der immer wieder neu konstruiert wird. Durch die Lichteffekte werden Situationen der Klarheit und des Verhörs erzeugt. An die ständig positionswechselnden Wände werden Szenen aus Katjas Videotagebuch projiziert. Irgendwann kann zwischen Imagination und Realität nicht mehr unterschieden werden, weder von den Zuschauern noch von den Figuren im Stück.


(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

(c) Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz


Als klischeehaft können die Kostüme bezeichnet werden. Katja im pinken Glitzeroutfit, während Pierre im Anzug auftritt.

Nach dem gleichnamigen Filmdrama Interview – nächtliche Geständnisse des Regisseurs Theo van Gogh inszenierte Kathrin Rosenberg diese Vorführung für das Schauspielhaus Graz.

Man geht betroffen, aber vollauf zufrieden aus der Vorstellung hinaus, die neunzig Minuten kurzweilig verbracht zu haben.

Link zur Seite des Schauspielhauses Graz

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