Ein Mann, eine Gitarre, 1000 Songs

Das Leben ist ein Wunschkonzert“ featuring Lorenz Kabas und Katharina Klar war der erste Abend des Jahres aus der Reihe „Music Bar“ am Schauspielhaus Graz. Eine lockere Soirée voller Überraschungen ganz im Zeichen der heimischen und internationalen Singer/Songwriter.

Gleich zu Beginn stellte Lorenz Kabas, selbsternanntes „Kind der späten 60er Jahre“ mit einer „Aversion zur E-Gitarre“, die Regeln dieses „offenen Juke-Box-Abends“ klar:

1.) „In diesem Rahmen einigen wir uns auf das Du-Wort.“

2.) „Der Abend dauert, so lange er dauert (Bis der Portier uns rausschmeißt).“

3.) „Wenn ein falscher Ton rauskommt, dann ist es Kunst.“

Vor 4 Jahren ins Leben gerufen, funktioniert der Abend ganz einfach: Man ruft einen Song auf, und wenn er in der „Jukebox“ (= dem mittlerweile über 1000 Songs umfassenden Repertoire von Lorenz „The Living Jukebox“ Kabas) vorhanden ist, wird er präsentiert. Durch den Abend führte nicht nur die Musik, sondern auch Katharina Klar (bekannt als temperamentvolle Interpretin in zahlreichen Stücken, zB Ivanov). Als Barkeeperin sorgte sie dafür, dass die Kehle der Gäste nicht trocken blieb („Ich möchte, dass niemand den Raum nüchtern verlässt.“) und nahm als Moderatorin Liederwünsche des Publikums wahr. In Erinnerung blieb ebenso ihre Gesangseinlage, in der sie Joe Cockers Krächzen zum Besten gab.

Lorenz kabas

Lorenz Kabas (c) Johannes Gellner

Katharina Klar

Katharina Klar (c) Lupi Spuma

Stimmlich und mit – wohlgemerkt klassischer – Gitarre bewaffnet erinnert Lorenz (ja, DU-Wort!) an einen quite bluesy, polyglotten Wolfgang Ambros. Kenner bemerkten die legere Spielhaltung auch an der Abwesenheit des Fußständers. Lorenz brauchte das schließlich nicht, um zu zupfen und zu strummen. Mit seinem leicht schüchternen Charme konnte er die Herzen des Publikums schnell für sich gewinnen. Diese verziehen ihm bald, wenn ein ausgefallener Liederwunsch mal nicht in der „Jukebox“ vorhanden war.

Das Spektrum der gewünschten Titel war relativ breit gefächert, allerdings hin und wieder mit Akzent auf ein eher regional gefärbtes Repertoire. Ob dies am Durchschnittsalter des Publikums (40+/50+) lag? Wem bereits die Haare zu Berge stehen – keine Sorge, die jüngere bzw. internationaler orientierte Generation konnte sich ebenso durchsetzen. So kamen neben Titeln wie Für dich soll’s rote Rosen regnen, Ich war noch niemals in New York oder Hupf‘ in Gatsch (sic!) glücklicherweise auch Songs von Cat Stevens, ABBA, Joe Cocker, Tracy Chapman, Simon&Garfunkel, Johnny Cash, Elvis Presley, Frank Sinatra oder den Beatles zum Zug. Lorenz überraschte darüber hinaus mit dem mühelosen Performen französischer und italienischer Nummern, beispielsweise aus der Feder von Mireille Mathieu oder Fabrizio De André.

Dazwischen sorgten so manche Weisheiten und persönliche Gedanken von sich heraustrauenden Individuen aus dem Publikum sowie spontane Simultanübersetzungen italienischer Lieder durch Zuschauer für Abwechslung.

Ein Mann, eine Gitarre – mehr braucht es für eine gelungene music night nicht. Es geht nicht um die Perfektion in der Darbietung, sondern um die Emotionen, die der Künstler vermittelt – das ist wahre Musikalität. Und diese kann Lorenz zweifelsohne zugeschrieben werden.

Leider findet Music Bar nur wenige Male im Jahr statt, denn der Besuch dieser Abendreihe ist viel mehr als nur empfehlenswert…. Aber halt! Vielleicht wäre ein Überlaufen auf Zuschauerseite doch nicht wünschenswert – schließlich steht Music Bar für Musikgenuss im kleinen, aber feinen Rahmen. Also, psst – nicht weitersagen!

Näheres zur Reihe „Music Bar“ im Schauspielhaus Graz

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