Julia Fischer Quartett: Beethoven, Schostakowitsch und Schumann

Beim 4. Kammerkonzert der diesjährigen Saison des Musikvereins präsentierte das Julia Fischer Quartett drei Streichquartette unterschiedlicher musikgeschichtlicher Epochen, die  am Ende des Konzertabends ein Gesamtbild ermöglichten, das sich divergenter Gefühlslagen äußerte. Müsste ich auf die Frage nach der Qualität der gehörten Darbietung kurz und bündig antworten, verlöre ich mich wohl in ambivalent anmutender Unentschlossenheit. Musikalisch war die Vorführung einwandfrei, die Auswahl der Stücke ließ es jedoch nicht zu, vollends beglückt den Saal zu verlassen (was selbstverständlich als durchwegs subjektiv gefärbte Meinung zu verstehen ist).

Begonnen hat das Konzert mit Beethovens Streichquartett Nr. 4 in c-Moll (op. 18/4), das hörbar in die frühe Schaffensperiode des Komponisten fällt und mancherlei Beethoven’sche Eigenheit späterer Werke vermissen lässt. Der 1. Satz (Allegro ma non tanto) führt unverzagt in eine schwerfällige Moll-Stimmung, die auch die beiden darauffolgenden Sätze bestimmt. Erst mit dem für mich als Höhepunkt empfundenen Schlusssatz (Allegro – Prestissimo) zieht sich das Streichquartett scheinbar leichtfüßig an den eigenen Haaren aus dem eben noch geständig anmutenden Sumpf der Schwermut, um optimistisch – jedoch weiterhin in Moll – als hoffnungsvolle Widersinnigkeit das Stück zu einem Ende zu bringen.

Julia Fischer Quartett (c) Irène Zandel

Julia Fischer Quartett (c) Irène Zandel

Das im Anschluss aufgeführte Streichquartett Nr. 8 (in c-Moll, op. 110) Schostakowitschs war sodann der wohl ergreifendste Teil des Abends. Das Quartett beginnt, wie es schließlich auch endet: düster und resignierend (Largo). Auch wenn es womöglich nicht die Ambition von Schostakowitsch war, so erinnert das Werk doch an die Biographie eines Menschen, der aus dem ersten Schmerz der Geburt über hektische Freude und unsagbares Leid in das trostlose und letztendlich aussichtslose Ende übergeht, um unterzugehen. Die fünf Sätze gehen dabei ineinander über, womit die Kontinuität des Auf und Ab, die Veränderlichkeit und Unsicherheit jeder einzelnen Lebensphase nochmals unterstrichen wird. Besonders der berühmte 2. Satz (Allegro molto) wirkt lange nach und stellt sozusagen das Zentrum der Entwicklung dar.

Nach der Pause wurde schließlich Schumanns Streichquartett Nr. 3 (A-Dur, op. 41/3) aus dem Jahr 1842 aufgeführt, das in musikalischer Hinsicht von großer Fertigkeit zeugt, aber aufgrund seiner schweren und zum Teil äußerst trägen Passagen kaum mein Empfinden zu erobern vermochte (vermutlich hätte es dem Konzertabend besser getan, Schostakowitsch in der zweiten Hälfte vorzutragen). Nach dem Schlusssatz (Finale. Allegro molto vivace) folgten tosender Applaus und zwei Zugaben (Mendelssohn und Martin), die dem Abend ein angemessener und durchaus unterhaltsamer Abschluss waren.

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